Too fast to die

Kultur-Nachlese - Mercedes-Benz Museum Stuttgart

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Von Helmuth, 18.01.2007 23:59

Aufruf

Mercedes-Benz Museum Stuttgart

Von der Erfindung des Automobils bis zur Gegenwart

Toll war’s. Spannend, lehrreich und unterhaltsam.

So ein Rundgang im Mercedes-Benz Museum ist nicht nur ein Gang durch alle Facetten des Automobilbaus um den Mythos Mercedes, sondern auch ein Defilée durch die deutsche Geschichte des letzten Jahrhunderts. Und etliche Besucher mittleren Alters erinnern sich noch an bedeutsame Begebenheiten, als z.B. John F. Kennedy 1963 im Mercedes 600 Pullman in Berlin war und den Berlinern sein Bekenntnis zurief: „Ish bien ain Baliner“. (Originalton)

In dieser Zeit glänzt Mercedes mit der S-Klasse mit Heckflossen-Design. Die Mercedes-Benz 220 S von 1964, die erste Serienfahrzeuge mit einer von Béla Barényi entwickelten und patentierten Sicherheitskarosserie. Die Versuche dazu kann man auf einem alten Bild sehen, wo Fahrzeuge den Hang hinuntergestürzt werden, oder mit Raketenantrieb gegen Betonblöcke geschossen werden. So spielten sich damals eben Versuchsreihen ab. Zum Dummy von heute waren es noch Welten. In diesen Jahren fuhr man mit der 300 SE Heckflosse Rennen auf Schotter, weil hier die Fahrzeuge auf ihre Alltagstauglichkeit getestet werden konnten. Auf der 8. Etage im neuen Museum beginnt der Rundgang in den Pionierzeiten um 1885, als die ersten Verbrennungsmotoren entwickelt wurden. Die Euphorie über die neuen Motoren war so groß, dass man neben Reitwagen und Fahrzeugen, die sich damals ihre Beliebtheit jedoch mühevoll erkämpfen mussten, auch Motorboote oder Fluggeräte baute. Schnell kam die Zeit der Hubraumexplosionen. Mit über 21 Liter Hubraum wollte man sich schon in den 1920er Jahren Rennsiege erkämpfen. Mit dem Blitzen-Benz mit 21,504 Litern, 200 PS bei 1600 U/min und Spitze über 200 km/h gelang das. Beim GP in Frankreich standen 3 Mercedes auf dem Siegerpodest. Bob Burmann stellte in Daytona 1911 einen Rekord mit 228 km/h auf. Damit war der „Blitzen“ damals das schnellste Fahrzeug, schneller als Eisenbahn oder Flugzeuge. Erst 26 Jahre ist es her, seit der Motor erfunden wurde!

In den 1930er Jahren, dargestellt auf Etage 6, kam die Ära der K und SSK-Modelle. Die kleinen Mercedes 10/40 PS Sport-Zweisitzer (die 10/xx steht für Steuer-PS) und dem Schwesternmodell 6/25 PS mit erstmals serienmäßig eingebauten Kompressor-Motoren waren gerade noch etwas für den Mittelstands-Geldbeutel nach dem ersten Weltkrieg. Der große 500 K als Spezial Roadster mit Kompressor kostete jedoch 28.000 RM und war so teuer wie zu der Zeit eine große Eigentumswohnung.

Die Weltwirtschaftskrise hinterlässt auch bei Benz & Cie. und der Daimler Motoren Gesellschaft ihre Spuren, Benz und Daimler fusionierten 1926 zur Daimler - Benz AG. Schon um 1909 war Benz & Cie. fast pleite, weil Benz dem Drang nach schnelleren Fahrzeugen erst nicht nachkommen wollte. Der Bau schneller Autobahnen um 1930 ließ die Automobilhersteller elegante, lange Karosserien bauen. Wie die Bugatti 57 Coach Type oder Type 64, so baute auch Daimler Benz 1939 formschöne Reiselimousinen mit langem Fließheck. Die Reiselust der Deutschen kam in Schwung. Doch wenig später spannte Hitler unsere Väter oder Großväter lieber vor Geschütze oder setzte sie in Panzer. Eigentlich waren die Autobahnen ja dafür gedacht. Und noch heute profitieren davon alle angrenzenden Nachbarn durch optimale (und kostenlose) Transitrouten durch Deutschland. Jedenfalls ging es nach dem Krieg wieder auf Gummireifen weiter. Auf der Etage 5 werden die Ponton-Karosserien vorgestellt und 1954 kam der legendäre SL-Flügeltürer auf den Markt. Den konnten sich allerdings nur Industrielle, Schauspieler oder das arme Mädchen Rosemarie Nitribitt leisten. Mit dem SLR fuhr man wieder Rennen und ab 1964 mit dem 230 SL Pagode ins Grüne. Die Wirtschaftsjahre waren in vollem Gange und damit stiegen die Unfallzahlen. 19.000 Tote musste man in dieser Zeit pro Jahr in Kauf nehmen. Sicherheitsgurte, Knautschzonen und Airbags wurden entwickelt. Dann kam die Ölkrise und Sonntag war Fahrverbot in ganz Deutschland. Mit dem Fahrrad fuhr man über die Autobahn. Der 200/8 eroberte die Welt der Taxifahrer von Skandinavien bis Südafrika oder im Nahen Osten. Der Baby-Benz kam 1984, die DTM und die Silberpfeile der F1 wurden beliebt. Alles auf Ebene 2 zu sehen. Die Gastarbeiter nahmen ihre Jahreswagen gleich mit nach Jordanien und anderswo und den Rest kennt ja jeder. (Auf Etage 0 leider schon das Restaurant) Draußen suchen sich Japaner „ihren“ CLS oder ML aus. Eine begeisternde Geschichte.

Gruß Helmuth

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