Aug' in Aug' mit Bär und Wolf
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Von Fasteddi, 13.07.2007, 23:25
Hi Leute,
hier ein kleiner Bericht zur Kroatien-Urlaubstour.
Geplant war: Samstag 7. - Samstag 14. nach Delnice/HR.
Weiterhin war geplant: Andrea, Dieter und ich. Von euch
wollte ja niemand mit. So weit so gut.
Vorfeld. Ich brauche einen neuen Kettensatz. Ich brauche _dringend_ einen neuen Kettensatz. Dieter hat mich auf der letzten Tour schon ausgelacht wegen meiner Kettenglieder. Richtig akrobatisch konnten die sich kreuz und quer hinbiegen. Kettensatz war schon bestellt, nur Zeit hatte ich bisher keine. Dr. Baumann hatte gottseidank kurzfristig Zeit und so konnte ich am Mittwoch das Mopped hinstellen. Am Freitag sei alles fertig, ganz bestimmt.
Am Freitag nachmittag möchte ich das Mopped abholen: Leider geht die Kupplung nicht mehr. Irgendeine Stange hat sich wohl da drin so deppert verhakt daß die Kupplung aufgemacht werden muß. Es ist Freitag Abend 1800. Dr. Baumann hat keine Zeit und keinen Dichtungssatz. Den braucht man ganz bestimmt - weil der geht immer kaputt beim aufmachen. Super.
"Morgen früh, ganz früh, mach ich's auf, bin ganz vorsichtig, und wenn alles gut geht bin ich um acht fertig!" Na, das ist doch ein Wort.
Inzwischen hat sich heraus kristallisiert daß a) Dieter beruflich keine Zeit hat und b) Andrea zwar Urlaub hat diesen aber lieber beim Arzt verbringt.
Samstag Morgen. Acht Uhr. Das Telefon klingelt. Mopped sei fertig sagt Dr. Baumann. Genial! Also mit dem Auto (statt Zug) nach Gerhausen und das Mopped abgeholt. Mit viel roter Dichtmasse hat er es wieder dicht bekommen, sagt er. "Und TÜV ist auch fällig!" Upps, stimmt, ja, vergessen. Bei meinen vielen geplanten Grenzübergängen wäre es sicher geschickter TÜV zu haben, denke ich, und fahre auf dem Rückweg beim TÜV in Ehingen vorbei. 50 Euro für HU/AU für einmal Auspuff schnorcheln und klugscheißern daß die Bremsscheiben Riefen hätten. Den Rest mußte ich machen wegen Bremsen und so. "Die Kette ist neu?" - immerhin das hat er erkannt, der Herr TÜV-Beamte.
Gut, wieder nach Hause. Inzwischen ist es 1200. Also heute wird das nichts mehr mit der Abfahrt. Ich habe inzwischen beschlossen alleine zu fahren. Pah, wer nicht will hat schon! Mit Andrea und Dieter noch eine Tagestour für den Nachmittag ausgemacht - schauen ob auch alles dicht bleibt und die Kupplung mich noch lieb hat. Alles OK. Abends gepackt und bei WetterOnline die Lage gecheckt: Am Dienstag geht wohl in ganz Europa die Welt unter aber ansonsten ist es in Kroatien kühl aber trocken - ideal!
Sonntag, Anreise. Autobahn München, Salzburg. Tunnels vermeiden und deswegen Tauernpaß und Katschbergpaß. Weiter AB nach Villach. Auf einem Parkplatz frägt mich ein schwedischer Pan-Fahrer nach dem Weg nach Bled. "Immer gerade aus" sage ich ihm, "dann kommt ein Tunnel (Maut) und er ist fast da". Alles was er ab dann gesagt hat weiß ich nicht ob das stimmt weil er konnte nicht so richtig englisch und ich kein schwedisch. "Oih, oih, oih!" sagt er und nicht dabei heftig mit dem Kopf. Und irgendwie habe ich den Eindruck daß er überhaupt nicht bereit ist Maut für den Tunnel aus zu geben. Quasi so wie ich. Ich zeige ihm auf der Karte wie ich gedenke zu fahren um den Tunnel zu umgehen. "Am Knoten Villach Richtung Italien und dann nach 10km abfahren zum Wurzenpaß" sage ich ihm. "Oih, oih, oih?" sagt er und schaut mich fragend an. OK, er könne hinter mir herfahren, sage ich gönnerhaft. Da strahlen seine Augen und er schwingt sich auf sein Mopped. Auf dem Weg zum Wurzenpaß denke ich mir so: "Oih, oih, oih, ob das nicht ein Fehler war?" Ich bin mein Lebtag noch nie einen Paß so langsam 'raufgefahren...
Oben am Paß gehen wir Zigaretten kaufen. Dann sage ich ihm: "Nach dem Paß geht's ca. 20km überland, dann kommt die Autobahn, und am Ende der Autobahn geht's ab nach Bled". "Oih, oih, oih!" sagt er. Nach Bled ist er immer noch hinter mir. Ich zwinge ihn zum Anhalten und erkläre ihm nochmal den Weg. "Oih, oih, oih!". Er dreht um und findet hoffentlich nach Bled. Ich fahre weiter zum "Pri Zalogarju" bei Skofia Loka (Ich verkneife mir jetzt und fürderhin jegliche Striche und Häkchen auf den Buchstaben). Geschlossen. Eine Woche Betriebsferien. Wann wollen die denn jemals Geld verdienen? Sehr bedenklich. Also was anderes gesucht, und 5km entfernt in einem Seitental gefunden. Absolut genial! Ich überlege mir die Tour ab zu ändern und stattdessen in Slowenien zu bleiben. Dazu müßte ich allerdings wissen wie denn das Wetter so werden würde. Leider hat mein Handy in der Ecke keinen Internetzugang und ich kann nicht bei WetterOnline schauen. Also simse ich einen Notruf zu Dieter der allerdings unerhört bleibt.
Am nächsten Morgen beschließe ich wie geplant nach Kroatien zu fahren. Sicher ist sicher... Als eigentliches Tourenziel war ja Delnice
vorgesehen. Allerdings bin ich da schon bei der Golfverabschiedungstour 3 Wochen vorher durchgekommen und dachte mir da so: "Oih, oih, oih! Da will man nicht mit dem Motorrad fahren!" Also kurzerhand umdisponiert und das Ziel soll das Hinterland um Senj sein. Wenn's zu heiß zum Fahren ist kann man ans Meer zum Baden, wenn's regnet ebenso (denn da regnet es nie).
Also quer durchs Hinterland nach Senj ans Meer. 4 Dinge hab ich ganz schnell gelernt: a) Kroatien ist geil! b) Auf Nebenstraßen (auf der Karte erkennbar an gelben Straßen oder noch heller) kann _immer_ und _überall_ Split/Sand liegen. Bevorzugt in Kurven. c) Die dicken, fetten roten Straßen sind geil! Und 4.: Die Küstenstraße ("Autoputt", Jadransko Marginale) ist inzwischen affengeil! Die haben das echt geschafft den kompletten Belag von Rijeka bis Zadar (vermutlich noch weiter, aber das hab ich nicht überprüft) zu erneuern! Alles schön eben, keine Flickstellen und schönen Gripp. Quasi 300km SS46... In Sveti Juray Quartier bezogen, Hotelzimmer mit Klimaanlage. Nötig.
Dienstag. Heute soll also der Tag mit den 3 Regentropfen sein. Hhhmm, hat sich bis hierher noch nicht 'rum gesprochen. Also wie geplant weiter. Rote Straßen sind gut, gelbe sind bäh. Problem: es gibt nicht soviel rote Straßen. Und die gelben sehen so verlockend aus... Also, dann cruisen und nicht rasen. Zuerst noch auf rot: Otocak, Gospic. Hier der Teil in Kroatien der noch gravierende Spuren aus dem Bürgerkrieg hat. Dörfer mit komplett platt gemachten Häusern, am Ortsende werden erste Häuser wieder aufgebaut. Ansonsten verfallen die Ruinen, vermutlich als eine Art Denkmal. Dann lockt mich eine Straße die parallel zur Autobahn zum Meer verläuft. Vor der Abzweigung fahre ich an einer Tankstelle vorbei: noch 2 Balken auf meiner Tankuhr - das langt ewig. Nach 2 km hab ich nur noch einen Balken. Ich halte an, schau mir die Strecke auf der Karte an, laß es mir vom Garmin ausrechnen: 30-40 km - kein Problem! Die Straße wird schmäler, die Straße hört auf. Also der Belag. Oih, oih, oih. Dafür Schotter. Von der fiesen Sorte: der, der keinen Halt gibt. Man rutscht in Kuhlen einfach ohne jeglichen Seitenhalt ab. Aber ich bin tapfer. Zuerst forsch, dann schnell gemerkt: zuuu schnell darf man auch nicht sein: auf diesem fiesen Geröll kommt man leicht ins trudeln und dann hält einen nichts mehr.
Und dann sind da so komische Schilder mit Totenköpfen. Ich halte bei einem an und schau mir das genauer an: Minen! Oih, oih, oih! Aber die Landschaft ist genial! Umdrehen will ich auch nicht, der Sprit wird schon reichen - also durch.
Der letzte Balken blinkt. Ach ja, und hier hab ich auch zum ersten Mal ein Schild mit "Naturpark Velebit" gesehen. Schön, wenn im Naturpark der Sprit ausgeht, das ist sicher ein Zeichen. Ich überlege, während ich mit dem Drecksschotter kämpfe, ob hier der ADAC zum ersten Mal kapitulieren müßte? Würde ich von Minen in die Luft gesprengt werden auf der Suche nach menschlichen Lebens? Das kommt ja auch noch dazu: seit ca. 1 Stunde hab ich kein Fahrzeug mehr gesehen. Kaum gedacht kommt schon ein Auto entgegen. Ahja, ich bin also nicht der einzige Idiot der hier unterwegs ist. Inzwiswchen habe ich die Paßhöhe erreicht und könnte jetzt eigentlich das Mopped rollen lassen. Leider bremst der Schotter so stark daß ich doch wieder mit Motor fahren muß. Dafür ist die Aussicht grandios! Es gibt überall kleine Denkmäler und Gedenkstätten vom Bürgerkrieg. Und es geht bergab! Stetig.
Kurzum: 26km Schotter! Ich bin unten angekommen, der Sprit hat gereicht. Tankstelle war im nächsten Ort. Daraufhin hab ich mir erstmal eine längere Strecke Küstenstraße gegönnt. Wieder nach Norden von Maslenicabis Karlobag. Genial! Bucht rein, Bucht raus, kein Schotter, kein Kies, kein Sand! Nix! Nur schöne Straße. Und in fast jeder Bucht drin ein kleines Dörfchen mit schauen und schauen.
Das hat mich dann wieder übermütig gemacht und ich bin wieder ins Landesinnere gefahren. Von Karlobag rechts rein, und dann ein tolles Sträßchen im Naturpark. Vorher noch beim Nikola Tesla Gedächtnisschrein vorbei, dann ab in den Wald. Und zack, oih, oih, oih, der Schotter ist wieder da. Diesmal nur 3 km. Dafür kommt Nebel auf. Vermutlich sind das die 3 Regentropfen. Ich komme an einen Baum, unter dem leigt ein Hund. Der schaut mich an, ich ihn. Ich interessiere ihn nicht. Gelangweilt schaut er mich an. Ich denke: "Oih, oih, oih, der Hund sieht aber ganz schön aus wie ein Wolf!". Der Nebel wird dichter, ich friere. Im Juli. In Kroatien. Super. Nach 30km komm ich an eine Gaststätte und mache Quartier. In der Kneipe hängen dann viele Fotos von Bären und Wölfen. "Ja, die leben alle hier" sagt die Wirtin. Oih, oih, oih. Da eine Panne und mann kann Wetten abschließen wer dich zuerst findet: Brunos Großvater oder der ADAC...
Am nächsten Morgen, es regnet. Zuerst mal wieder auf die Küstenstraße. Ab der Küste regnet es nicht mehr, allerdings hat der Verkehr stark zu genommen. Ab Senj nordwärts folgt die Straße auch nicht mehr dem Meer und wird langweilig. Ich beschließe nach Istrien zu fahren. Die Straßen dort sind immer noch so schlecht wie vor 5 Jahren. Also weiter wieder nach Slowenien. Ab Grenze werden die Straßen wieder genial. Das Gebiet um Koper/Nova Gorica hat Potential: Wird vorgemerkt für die nächste MFU-Slowenien-Tour. Schwupps bin ich in Kobarid (Slowenien ist irgendwie schon klein...), im Dachs hat es ein Zimmer für mich. Ich bleibe 2 Nächte.
Am nächsten Tag habe ich keine Lust auf die Standard-Tages-Tour Vrsic-Bled-Postojna-Bistrica sondern mache auf Kultur und fahre nach Aquilea (I) zu den Ausgrabungen und einer uralten Basilika. Naja, und dann doch noch Postojna, Cerkno etc.
Rückfahrt am Freitag dann völlig unspektakulär über Predil, Tolmezzo, Passo Mauria, Toblach, Brenner, Fernpaß.
- 2700km
- Gigantisch! Werde ich unbedingt wieder machen.
- Die Küstenstraße alleine werden wir auch noch entweder nach der Oktobär-Tour oder im Frühjahr '08 machen.
- Bilder und Karten gibt's demnächst auch.
Gruß Edgar
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