Too fast to die

Pyrenäen, der Tourbericht / Oktobär 2007

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Von Floh, 09.10.2007, 01:27 und folgende Tage

Pyrenäen, Oktobär 2007 (Bilder)

Diesmal hat es also mich erwischt.
Hätte ich geahnt, was das für ein Aufwand ist, hätte ich sicherlich einen Weg gefunden mich zu drücken.
Vermutlich ist der Aufwand nur deshalb so groß, weil mich Micha nicht zu Unrecht als Bruder Grimm bezeichnet.

Mittlerweile bin ich bei Dienstag Abend der ersten Woche angelangt und es gibt noch so viel zu berichten...

Vorab die Kurzfassung
Es waren 4, die eine Woche die Berge gen Westen kreuzten um dann mit 5 weiteren die Berge wieder eine Woche gen Osten zu queren. Es waren viele Kurven, viel Spaß und zumindest für die 4 2795km mit dem Motorrad - Hänger km nicht gerechnet.

Und jetzt kommt die Fortsetzungsgeschichte :)

Die Anreise

Am Freitag dem 28.9. trafen sich Sandy, Micha und Floh bei Uwe. Floh war der einzige, der direkt mit dem Moped kam. Micha und Sandy waren mit dem Fiat angereist und hatten damit schon den ersten Test von Mad Max gemacht. Wobei man ehrlicherweise dazu sagen sollte, dass auch Sandy schon die Beladung ihrer Hornet getestet hatte, da sie auf eigenen Rädern bis Schweinfurt gerollt war. Lotte (Michas Bandit) musste noch mal vom Hänger abgeladen werden, damit diese mit neuen Gabelsimmeringen ausgestattet werden konnte. Lottes Inkontinenz wurde damit partiell behoben.

Nach dem Aufladen ging es dann zum Abschied noch eine Runde fränkische Bratwürste essen und dann fuhr das Quartett zunächst mal nach Schweinfurt, da Micha bedauerlicher weise seine Mopedstiefel vergessen hatte. Wir erinnern uns, dass er nicht auf eigener Achse anreiste? Bei der Gelegenheit, wurde dann auch gleich noch der Schlüssel für das Anhängerschloß mitgenommen. Eine weise Entscheidung, wie sich später herausstellen sollte.

Gegen 22:00 wurde die Fahrt in Schweinfurt fortgesetzt und ohne besondere Vorkommnisse erreichte die Reisegruppe Frankreich. Die gesamte Strecke fuhr Uwe. Bei einem der wenigen Tankstops entdeckte er im Sortiment der Tankstelle einen Satz Spanngurte. Wir erinnern uns, dass er nicht auf eigener Achse anreiste? Irgendwann legte auch Uwe für eine Stunde das Lenkrad zur Seite und nahm eine Mütze Schlaf. Trotzdem - eine bemerkenswerte Leistung. Frisch gestärkt ging es weiter und gegen Mittag wurde die Autobahn verlassen um auf die Küstenstrasse zu wechseln. Ziel sollte irgendwo in der Nähe von Llanca sein, welches auch Edgar als das Ziel für Freitag anvisiert hatte. Kurz vor der französisch-spanischen Grenze entschied sich Uwe einen Parkplatz mit Blick aufs Meer anzufahren. Er öffnete den Kofferraum, zauberte eine Kühlbox heraus, öffnete diese geheimnisvoll und holte in Lappen gewickelte Gegenstände heraus. Schon beim entfernen der Lappen, wurde erkennbar, dass es sich beim Inhalt wohl um Weizengläser handeln musste. Uwe sollte doch nicht etwa einige Flaschen Weizen nach Frankreich geschmuggelt haben. Nein, hatte er nicht. Er hatte ein 5l Faß importiert. So wurde diesmal das Ankommbier knapp vor dem Ankommen getrunken.

Hatte Mad Max schon auf der französischen Autobahn bewiesen, dass er hervorragend hinter dem Auto herlief, stellte er es auf der Küstenstrasse endgültig unter Beweis. Unter Uwes Führung zirkelte Max spielend um Serpentinen und durchpflügte die Kurven. Sandy war von dieser Vorführung derart angetan, dass sie dies mit ihrer Kamera dokumentierte. Zitat:"Haben wir den SUV jetzt abgehängt?"
Lediglich die Mopeds waren ein wenig irritiert, dass man solche Kurvengeschwindigkeiten ohne Schräglage fahren kann.
Knapp hinter Colera - woher der Ort wohl seinen Namen hat? - wurden die letzten Reste aus dem Fass gequetscht und das unschuldige Fass wurde ausgesetzt.

In Llanca wurde dann der Versuch unternommen Quartier zu finden. Die Touristinfo war noch bis 17:30 also rund 2h geschlossen, so wurde die Angelegenheit in die eigene Hand genommen. Bei einem Hotel am Ortsrand versuchte dann Sandy mit ihren Französichkenntnissen Habitation zu finden. Der Hotelier schien ein wenig gierig zu sein, verlangte er doch für einen Stellplatz für Max schlappe 400€. Vermutlich wäre da noch ein Whirlpool dabei gewesen. Man entschloss sich ins Hinterland zu fahren. Einige Kilometer südlich von Llanca fand sich dann das Hostel Xavi, welches sich bereit erklärte, Max und den Opel für 2 Wochen kostenfrei zu beherbergen und der Gruppe für einen angemessenen Preis die Nachtruhe nach diesem doch anstrengenden Tag zu gönnen.

Der erste Tag

Nach einem spärlichem Frühstück, was dann plötzlich nicht mehr im Preis enthalten sein sollte, wurden die Mulis abgeladen, Max sicher verzurrt - gut dass sich der Schlüssel noch in Dittelbrunn gefunden hatte - und das Quartett machte sich abreisefertig. Über verschlungene Pfade schlugen sie sich nun in Richtung Berge. Gegen Mittag machte sich dann doch der Magen bemerkbar und es wurde intensiv nach einer Futterstelle gesucht. In Macanet de Cabrenys war nichts so wirkliches zu finden, doch knapp hinter dem Ort gab es einen Wegweiser zu einem Campingplatz und einem Restaurant. Der Weg war schmal und mit Dreck bedeckt, hatte aber immerhin Asphalt darunter. Das machte ja nichts, wollte man sich ohnehin schon ein wenig auf Edgars Touren einstellen. Nach rund 4km endete der Asphalt. Floh und Uwe hatten scheinbar den meisten Hunger und folgtem der absteigenden Lehmpiste, die nach und nach ein Gefälle aufwies, dass an ein Drehen fast nicht mehr denkbar war. Floh musste feststellen, dass die Tiger auch nicht geländegängiger ist als eine Bandit. Vielleicht lag es auch am Mut. Uwe erreichte noch das Restaurant und stellte fest, dass dieses noch 10 Minuten geöffnet hätte. Bis zum Abendessen hätte es Sandy vielleicht auch schaffen können. Sie kehrten um und empfahlen doch noch ein wenig weiter nach Nahrung zu suchen. Weiter der Hauptstrasse folgend stieß man auf ein Lokal in dem Dörfchen Tapis. Die Gruppe nahm auf einer hübschen Terrasse Platz und wartete auf die Bedienung. Glücklicherweise beherschte Sandy die französische Sprache und konnte nachdem nach einer Viertelstunde noch immer niemand nach den Wünschen gefragt hatte, in Erfahrung bringen, dass ohne Vorbestellung keine Nahrung zu ergattern war. Und schon gar nicht auf der Terrasse. So was scheint wohl eine spanische Angewohnheit zu sein. Also weiter Richtung Frankreich. Bemerkenswert war, dass sich die gut ausgebaute Passtrasse bei Grenzübertritt schlagartig in eine schmale Holperpiste verwandelte. Pflegen Spanier andere Interessen als Franzosen? Direkt hinter der Grenze fand sich versteckt im Örtchen ein Lokal. Menü klang gut. Sie wussten zwar alle nicht genau, aus was das Menü bestehen sollte, aber immerhin konnte man pro Gang aus 3 verschiedenen Möglichkeiten wählen. Aber was genau war das. Sandys Reiseübersetzungsbüchlein war plötzlich hochbegehrt. Es wurde bestellt, der Canard "bon qui" für gut durch, es sollte noch erfahren werden, wie wichtig dieses kleines Wörtchen ist und dann geschlemmt. Michas Vogel war nicht ganz so "bon qui" und erweckte stellenweise das Gefühl, er hätte lediglich für 3min unter einer Sonnenbank mit 10000W gelegen. Das wurde jedoch wieder gut gemacht durch eine hervorragende Creme Catalan. Eine Art Pudding mit Karamelüberzug. Ein Traum! Allerdings auch ein Jammer. Der Ort hieß übrigens Coustouges. Für den Fall, dass Edgar schon mal präventiv einen Wegpunkt setzen möchte.

Frisch gestärkt ging es weiter über Le Tech, Prats-de-Mollo-la-Preste (was für ein Name!) wieder Richtung Spanien nach Ripoll. Auch hier wieder die Erfahrung, dass mit Grenzübertritt nach Spanien die Strassen schlagartig besser wurden, Asphalt in Rennstreckenqualität aufwiesen und einige Kurven mit Unterfahrschutz ausgestattet waren. Man scheint hier in den Motorradtourismus zu investieren.
In Ripoll war davon allerdings nicht so viel zu spüren. Da auf Anhieb kein Hostel gefunden wurde, ging es weiter nach la Pobla de Lillet. Auf dieser Strecke zeigte Uwe das erste Mal auf dieser Reise sein Talent rechtshändig zu fahren und aus der linken frei das Geschehen vor ihm zu filmen. Beeindruckend!

In la Pobla versuchte Sandy zunächst in einem Altersheim ein Bett zu bekommen - zu früh meiner Meinung nach - und dort wurde ihr der Weg zu einem richtigen Hostal gewiesen. Dort wollte die Gruppe auch hin, hatte sich doch gerade das erste Mal auf ihrer Reise spüren müssen, dass sogar in Spanien der Regen nass ist.

Über eine schmale Brücke führte der Weg zum Hostal. Uwe ließ es sich nicht nehmen, gleich über die Brücke zu fahren, Floh mutig hinterher, um dann festzustellen, dass der Weg in einer Sackgasse endete. Uwe konnte drehen, Floh durfte rückwärts über die steile, vom Regen leicht glitschige, mit grobem Kiesel geplasterten Brücke wieder zurück. Schließlich bezogen sie Quartier und ließen den Abend bei einigen Cervesas (Pression) und Wein zu 2.90 die Flasche ausklingen.

Montag

Bei noch leicht feuchten Strassen wurde gestartet. Die Mopeds waren am Dorfbrunnen abgestellt worden und die Bäume an diesem Platz waren ein wenig inkontinent über Nacht und tropften Harz auf die Mopeds. So kamen die anderen in den seltenen Anblick, Micha beim Mopedputzen zu beobachten.

Einige km hinter dem Ort fand sich eine Tankstelle und nun waren Ross und Reiter gestärkt, den Tag in Angriff zu nehmen. Bei Berga ging es Richtung Guixers. Eine malerische, kurvenreiche Strecke, die völlig vergessen ließ, dass die Strasse noch stellenweise feucht war. Vielleicht sollte an dieser Stelle mal erwähnt werden, dass die meisten spanischen Strassen über einen hervorragenden Grip verfügen. Weiter bis Coll de Nargo und dann Richtung Andorra - schließlich gibt auch das einen Stempel in das Buch der bereisten Länder. Ausserdem sollen dort Zigaretten und Reifen günstig sein. Zwischendurch wurde noch ein Supermarkt geplündert und die erbeuteten Lebensmittel (Baguette, Salami, Schinken, Käse, San Miguel (alternativ Ketchup) auf einem stillgelegten Teilstück des Highways nach Andorra verspeist.

Zigarettenpreise können als günstig eingestuft werden bei 16-20€ je nach Marke, Reifenpreise wurden bedauerlicherweise nicht in Erfahrung gebracht. Ansonsten ist Andorra nicht besonders sehenswert. Es reiht sich Apartmenthaus an Apartmenthaus. Im Endeffekt eine Ansammlung von Briefkästen für Steuerflüchtige.

Nach einer kurzen Besichtigungsrundfahrt wurde den Mulis noch Futter gegeben und Rauchwaren für ihre Reiter. Es steht zu vermuten, dass bereits zu diesem Zeitpunkt der Reise Uwe mit dem Gedanken spielte, sich zu Weihnachten einen Klapphelm zu wünschen. Ein Verdacht, der sich erhärten sollte.

Es ging die gleiche Strasse wieder zurück um dann bei Ribera wieder der N260 Richtung Sort zu folgen. Hier entdeckte das Quartett zum ersten Mal, dass es ausser ihnen noch andere Motorräder in Spanien. Leider entgegenkommend. Angesichts der Streckenführung wäre dies ein Fest gewesen. Auf dem ersten Sattel war ein Parkplatz und es wurde zur Zigarrettenpause gesammelt. Ernüchternd, dass man nur noch in der Lage ist die Zigarette anzuzünden bis Sandy kommt. Früher waren die Touren relaxter (zwinker). Kurz vor Sort versuchte Uwe noch den Grip seines Vorderreifens in Sand zu testen. War es Feigheit oder weise Voraussicht, dass er es im Stand versuchte? Jedenfalls ließ er sich dann bereitwillig helfen, die Bandit wieder aufzurichten.

An diesem Tag wurde Habitation in Esterri d'Aneu bezogen. Ein kleines Bergdorf, in welchen allem Anschein nach der Tourismus vor Jahren schon Einzug gehalten hat. Für ein wenig Irritation sorgte, dass die günstigen Hostels zu dieser Jahreszeit allesamt ausgebucht waren. Keinen machten die vielen Fahrzeuge mit Bauarbeitern stutzig. Man nahm einfach ein Zimmer (bzw zwei) in einem zwei Sterne Hotel, genoss dort wohl den schlechtesten Wein Spaniens, kredenzt von der missmutigsten Bedienung Kataloniens und spülte anschließend das akzeptable Essen in einem Dorflokal mit einigen Kaffees und Vinos herunter. Zumindest gab es am nächsten Morgen ein Frühstücksbuffet.

Dienstag

Nach einem reichhaltigen Frühstück startete die Gruppe bei bedecktem Wetter. Nicht weit hinter Esterri stießen sie auf eine Baustellenampel. Für Floh war sie schon rot, aber da Spanien ja so ähnlich wie Italien ist vom Verkehr her... Jedenfalls war das nicht so unclever. Denn die Gegenampel konnte irgendwie nicht aufgespürt werden. Die Baustelle ging über gefühlte 40km (vermutlich die Hälfte) und war über weite Strecken von Traktoren mit Wasser besudelt worden, um den Staub zu binden. Der gesamte Pass war eine Schlammpiste.

Alle paar Meter stand ein Menschlein, eingehüllt in einen dicken Anorak (draussen schien es kalt zu sein) und hielt ein Schildchen in der Hand um den Verkehr zu regeln. Vielleicht hätte man einem dieser Menschlein die Regelkelle für Fröschle abkaufen sollen. Er hätte sie zumindest motivierter geschwungen.

Wobei der inzwischen dichte Nebel für die auf dem afrikanischen Kontinent geborenen Kellenschwinger sicher unangenehm war. Der Nebel wurde vor der Passhöhe immer dichter, dafür endete die Baustelle. Uwe wollte nur noch runter vom Berg und stoch los. Dicht gefolgt von Sandy. Micha und Floh waren allerdings als Brillenträger ein wenig gehandicapt. Das Visier von vorne mit Nebel beschlagen, von innen mit Atem, also leicht geöffnet für die Belüftung. Also Visir leicht geöffnet, dafür setzte sich der Nebel auf der Brille ab. Im Schleichgang ging es den Pass hinab und für Micha wurde der Alptraum wahr. Ein LKW lief auf die Zweiergruppe auf. Floh verfiel schon leicht in Panik und war bereit Micha zu überholen, als dieser
sich entschloss, sich doch nicht von dem LKW überholen zu lassen und erst mal ein wenig Sicherheitsabstand herauszuarbeiten.

Am Ende des Passes fand sich eine Tankstelle, die zur Freude Uwes auch über einen Dampfstrahler verfügte. Die Mulis sahen inzwischen aus wie paniert. Micha verfolgte dieses Schauspiel der rituellen Waschung mit Abscheu und zeigte leichte Erschütterung, als sogar Sandy und Floh ihre Münzen in den Automaten warfen. Um so größer war seine Freude, dass Lotte später auf natürlichem Weg gereinigt wurde und damit die drei anderen Mopeds auch nicht mehr sauberer waren als Lotte. Weiter ging es von Vielha wieder nach Frankreich um dann bei Cadeác den Weg wieder Richtung Süden durch den Tunnel nach Spanien einzuschlagen.

In Vignec entdeckte Micha eine Papetiere - seiner Michelin Kartensammlung fehlten ja noch einige Exemplare. Als er dann mit seinen Spanienkarten an der Kasse stand, schloß die Verkäuferin haarscharf, dass er ermutlich nach Spanien wolle und erklärte ihm, dass der Grenztunnel wegen Bauarbeiten gesperrt sei. Da Micha sich nicht sicher war, dass er es richtig verstanden hatte, bzw es auch nicht so verstehen wollte, holte er noch Sandy als Dolmetscherin in den Laden, welche ihm, nachdem sie die Aussage der Verkäuferin übersetzt hatte bestätigte, dass sich die Gruppe in einer Sackgasse befand.

Inzwischen war es empfindlich frisch geworden, so dass der Col du Tourmalet mit über 2000m als Ausweichroute ausschied. Also wurde der Col d'Aspin gewählt auf welchem wild gewordene Radfahrer in viel zu kurzen Hosen für diese Jahreszeit entgegenkamen.

Spätestens seit diesem Moment bekam der Micha das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht, wenn er daran dachte, dass Edgar Tagesetappen von 450km geplant hatte.

Weiter Richtung Lourdes entäuschte die Gruppe aufgrund angemessener Fahrweise 2 Flics, die sich in einer Senke verschanzt hatten um Verkehrssündern aufzulauern. Zur Entlastung muss man sagen, dass unsere vier Freunde durch freundliche Autofahrer auf diese Schnellmaut im Vorfeld aufmerksam gemacht wurden.

Von Lourdes aus ging es dann weiter über den Col du Soulor und den Col d'Aubisque nach Eaux Bonnes. Bedauerlicherweise waren die Berge wieder in dichten Nebel gehüllt. Micha behauptete, andererseite hätte es das genialste Panorama gegeben. So arbeitete sich die Gruppe eben bei Sichtweiten um 50m durch Kurven, Serpentinen, Kühe und Pferde.

Weiter ging es dann über den Col du Pourtalet nach Spanien. In Frankreich noch durch eine beeindruckende Schlucht, um dann an der Grenze in eine Hochebene überzugehen. Dieser spätabendliche Blick auf die spanische Seite der Pyrenäen entschädigte das zuvor verpasste Panorama. Ein überwältigendes Lichtspiel. Alle Kameras wurden gezückt.

Auf der weit geschwungenen Strasse Richtung Biescas herrschte reger Verkehr. Sandy weigerte sich anfangs die Kolonne zu überholen, also preschten die Jungs im Trio los und genossen die Schräglagen, indem sie einfach um die Pylonen herumfuhren. Umso erstaunlicher, dass sie bei Sabinanigo gar nicht warten mussten. Sandy überraschte jeden Tag aufs neue. In dem Ort wurde Habitation in einem kleinen Hostal an einer Einfallstrasse gewählt. Die Mopeds standen die Nacht über unbewacht an einem kleinen Brunnen und es ist ihnen gar nichts passiert. Der abend klang mit dem rituellen Mahl, welches in einem einfachen Lokal im Ortskern eingenommen wurde und verschiedenen Flaschen vorzüglichstem Wein aus. Die Marke "de la Casa" sollte man sich in jedem Fall merken. Die Idee, in jeder Bar auf dem Weg zum Lokal nur ein Cervesa einzunehmen wurde allerdings wieder verworfen. Wollte man sich schließlich in wenigen Tagen mit Edgar und den anderen nahe Bayonne
treffen und und für eine solche Kneipentour hätte die Zeit wohl kaum gereicht.

Mittwoch

Der Mittwoch Morgen begann für die Gefährten in der Bar im Erdgeschoss des Hotels. Dort gab es etwas, das sich tatsächlich Frühstück nennen durfte. Café Americano und mit Tortilla belegte Brötchen. Nach reichlichem Genuss selbigen wurde zum Aufbruch geblasen.
Es ging über Jaca auf der N330 Richtung Frankreich. Einige Kilometer später bogen sie scharf links ab und schlugen sich ins Unterholz. Ein liebliches Sträßchen, dessen tieferer Sinn sich nicht ganz erklären konnte, führte nach Aisa. Vermutlich war die Strasse nur deshalb asphaltiert, um Motorradfahrer die es lieben auf staubigen Pisten unterwegs zu sein, zu ärgern. Wobei... die beiden Tennisplätze mitten in der Prärie.. Vielleicht ist ja im Sommer dort mehr los.

Über einen schmalen Kamm, auf deren Gipfel ein Refugio stand ging es weiter nach Hecho. Jemand aus der Gruppe meinte, dieses Gebäude sei das Backhaus, welches sich die beiden Ortschaften rechts und links teilten. Was allerdings unsinnig wäre, wäre das Brot doch bereits vertrocknet, bis man es im Winter die ganze Strecke getragen hat. In Wahrheit ist es wohl eine Schutzhütte für Motorradfahrer, welche vom Regen überrascht werden. Rechts und links der durchgehend asphaltierten Gasse befanden sich Gebäude, welche jedoch weniger auf Wohnraum, denn auf Stallungen für die im Sommer frei ducht die Gegend hoppelnden Schafe schließen ließen. Und dass es großen Bedarf an solchen Stallungen gibt, sollten unsere Freunde im Verlauf der Reise immer wieder erfahren.

In Jasa sinnierten sie darüber, wie sinnvoll und vorausschauend die Spanier ihre Sitzbänke platzieren. Je nach Sonnenstand gibt es dort die entsprechende Sitzgelegenheit. Scheinbar ein Ort um in Frieden zu leben.

Durch eine malerische Schlucht gelangten sie ins Val de Hecho oder Echo - scheinbar gab es bei den Spaniern auch eine Rechtschreibreform. Das Tal selbst war von einer Art Schnellstrasse durchzogen. Da es in Hecho quasi in einer Sackgasse endet, lässt dies erahnen, dass die Einheimischen dort noch große Bauvorhaben planen, wenn sie jetzt schon diese Infrastruktur bereitstellen. Vermutlich für den Motorradtourismus. Denn was nun kam Richtung Anso glich einer Rennstrecke mit Gegenverkehr. Genialer Belag, ideale Kurvenradien, leider aber erst zur Hälfte fertig gestellt. Es folgte also wieder eine kleine Enduroeinlage über eine mehrere Kilometer lange Baustelle.

Von Anso sollte es weitergehen nach Roncal. Doch die auf der Passhöhe über Anso abzweigende Strecke war leider gesperrt. Statt dessen führte der Weg weiter nach Fago. Verkehrschilder zeigten an, dass der Zustand der Strasse von Optimal wohl ein ganzes Stück entfernt sein müsste, aber es kam noch ein wenig schlimmer. Nach Fago war die Piste neu gesplittet worden. Frischer Teer, der sich an verschiedenen Stellen zwischen den Steinchen herausdrückte, sprach ein deutliches Zeichen dahingehend. Der Garmin war sich auf dieser - wir nennen sie mal "landschaftlich wunderschönen" Strecke sicher, sich im Niemandsland zu befinden. Kein Weg, nicht mal ein unasphaltierter. Scheinbar ist das spanische Kartenmaterial doch nicht so durchdacht. Es sollte auch nicht das letzte Mal sein, dass der Garmin scheiterte.

Dennoch, die Wildnis, die Menschenleere, die tollen Gesteinsformationen machten es wert, diese Strecke gefahren zu sein.
Wer nur auf den Garmin vertraut, wird diese Strecke leider niemals finden.

Zurück auf der N240 ging es nach Sigues für eine Kaffeepause. Dann weiter Richtung Burgi. Inmitten einer wilden Schlucht begleitete ein Geier mit eindrucksvoller Spannweite die Gefährten. Ob er die Motorradfahrer als Futter betrachtete, kann nicht mit letzter Sicherheit gesagt werden. Als diese jedoch ihre Mulis stoppten, um den Geier zu blitzdingsen, setzte er sich beleidigt auf einen Felsen. In der Hoffnung, der Geier würde sich wieder mit seinen gewaltigen Schwingen in die Lüfte erheben, wurden die Kameras weiter im Anschlag gehalten. Der Geier indes war wohl ein wenig schüchtern. Nachdem er die Hobbyfotografen eine Weile beobachtet hatte, dabei unsicher von einem Bein aufs andere trat, lief er zu Fuss hinter die Büsche. Vielleicht hatte er auch nur ein geierliches Bedürfnis und ging dahin, wo auch der Kaiser alleine hingeht.

War die Fahrt durch die Schlucht nach Burgi schon ein Erlebnis, wurde dies auf der Strasse nach Navascues noch getoppt. Eine schnelle Kurve nach der anderen, Grip bis zum Abwinken brachten Micha zu der Aussage "Mein Reifen meinte gerade 'Erst sagt der Kerl, ich soll noch 500km halten und jetzt geht der Simpel mit mir auf die Rennstrecke'".

Tatsächlich befanden sich die Reifen von Micha und Floh mittlerweile in einem erbärmlichen Zustand. Ersatz sollte innerhalb der nächsten paar hundert Kilometer erfolgen. Uwe wollte ohnehin einen Lieferanten von ihm in Bilbao besuchen, da lag es nahe, sich eines Einheimischen zu bemächtigen, welcher in der Lage sein könnte nichttouristische Preise für Reifen zu erhalten. Vorsichtshalber auch für Sandy, denn ihr Hinterreifen ging auch deutlich zur Neige. Sie wusste es nur noch nicht. Eine gewisse Ernüchterung trat ein, als der Preis von 480€ für einen Satz MPP bekannt wurde. Dann sollten eben Reifen in Frankreich gekauft werden. Die nächste größere Siedlung auf französischem Staatsgebiet war Saint-Jean-Pied-de-Port. Dieses sollte noch vor Ladenschluss erreicht werden.

Über Ezcâroz, Gerralda, Arneguy. Vor Gerralda standen eigentümliche Schilder und Sperren, die auf die Schnelle nicht entziffert werden konnten. Daher entschied man sich zur Weiterfahrt. So schlimm konnte es schon nicht kommen. Tatsächlich war die Durchgangsstrasse gerade in einer Renovierungsphase und statt Asphalt gab es eben Schotter. Aber die Vier hatten ja alle schon schlimmere Passagen bewältigt. Ein abgestellter Bagger behinderte dann die Durchfahrt. Damit sich auch niemand an diesem vorbeimogeln konnte, hatte er seine Schaufel seitlich auf dem Boden positioniert. Uwe ließ sich davon nicht sonderlich beeindrucken und zirkelte, mit seinem Fuss Halt auf der Schaufel suchend, um die Schaufel samt Bagger herum. Vermutlich war es der Baustellenleiter, der mit leicht errötetem Kopf Uwe in seiner Landessprache etwas zu erzählen versuchte. Dieser, von Unverständnis für diese Sprache geprägt, erklärte dann gelassen in breitestem fränkisch, dass er von da käme und dort hinwolle. Der Baustellenleiter sprang daraufhin in seinen Jeep und brauste davon. Vermutlich wollte er den Weg zeigen, denn einige Zeit später wurde er wieder von den Mulis eingeholt.

In St-Jean-denRestsparichmir hielten sie Ausschau nach einem Reifenhändler. Tatsächlich fand sich ein Mopedhändler. Die Fahrzeuge vor seiner Tür ließen auf ein Pendant zu einem Autofriedhof schließen. Der Händler erklärte, dass man Reifen nur im 60km entfernten Bayonne bekäme, daher machte sich die Gruppe aufgrund fortgeschrittener Uhrzeit auf Zimmersuche. Die Zimmerpreise ließen darauf schließen, dass der Ort wohl über ein gewisses touristisches Potential verfügt, daher fuhren die Vier wieder nach Spanien und fanden in Valcarlos Habitation.

Sandy scherzte noch, dass wenn Micha und Floh keine Reifen bekämen, sie mit Uwe alleine weiterfahren würde. Sie wusste noch nicht, dass sie das geringste Profil von den dreien hatte.

Das Hostal war gemütlich und nett hergerichtet. Daher ließ sich darüber hinwegsehen, dass das Cervesa Pression defekt war. Und in Spanien konnte man ja auch locker auf die Weinmarke Tinto de la Casa umsteigen. Das wurde dann auch mit Erfolg getätigt. Natürlich zu einem leckeren Canard.

Donnerstag

An zu geringem Umsatz kann es nicht gelegen haben. Auch schien am Morgen noch alles in Ordnung gewesen zu sein, als Micha mit dem Wirt aushandelte, dass die Übernachtung nur noch 46 statt 48€ das Doppelzimmer kosten sollte. Auch war man der Meinung, dass man sich trotz der sechs Liter Tinto am Vorabend anständig benommen hätte.

Während die Vier frühstückten, verabschiedete der Wirt noch zwei ältere englische Damen, welche mit leichtem Gepäck zum wandern aufbrachen. Als dann die Motorradreisenden mit leichtem Gepäck - das schwere hatten sie auf dem Zimmer gelassen - an der Rezeption vorbeischlendern wollten, erhob der Wirt Einwände. Er verlangte, dass die Freunde abreisen, eine weitere Übernachtung sei nicht möglich. Er selbst müsse am Abend in Pamplona sein. Eigenartig, hatten denn die beiden Damen einen Biwak unter dem Dekolleté versteckt?
Vermutlich hatten sie sich beim Wirt beschwert, weil vielleicht einer der Herren zu laut schlief.

Es gibt schlimmeres, also wurde die Rechnung beglichen und mit noch leicht schwerem Kopf Bayonne angesteuert. Gegen 11:00 traf die Gesellschaft in Bayonne, der südfranzösischen Perle am Golf von Biskaya ein. Unverzüglich machte man sich auf die Suche nach einem Reifenhändler und dank der Hilfe einiger Eingeborenen war schnell ein Stützpunkt einer Motorradzubehörkette ausgekundschaftet. Hier wurde der Satz Dunlop D207 für 190€ plus Montage angeboten. Welch Vergleich zu den spanischen Preisen! Da inzwischen die französische Siesta eingeläutet wurde, hieß es zunächst 2 Stunden überbrücken. In einer Strasse gleich um die Ecke sollte es noch weitere Reifenhändler geben - also mal gucken. Da die auch alle geschlossen hatten, wurde zunächst ein Menü in einem Strassenlokal eingenommen.
Nach der Mittagspause wurden dann diese Händler besucht, hatten sich Micha und Floh doch eingebildet, dies sei eine gute Ausrede doch mal den MPP zu versuchen. Schließlich bekommt man ja in Frankreich nichts anderes als Michelin. Doch weit gefehlt. Die normalen Reifenhändler führten gar keine Mopedreifen, der Yamaha Händler rief für den Satz MPP 280€ auf und der freie Händler 100m weiter 380€. Ein Euro pro Meter! Dann also doch Dunlop. Auf den Rennstrecken Spaniens hätte man auch mit Holzreifen noch genügend Grip gehabt, also mal was neues probieren.

Kaum 3 Stunden später waren 3 Mopeds neu besohlt. Auch das von Sandy. Premiere: das erste Mal auf Sportreifen. Erstaunlich, was so etwas ausmacht. Aber wir wollen ja nicht vorgreifen.

Bei Michas Lotte war der Monteur einigermaßen entsetzt. So abgefahrene Bremsbeläge hatte er wohl noch nie gesehen. Micha kostete dies indes ein mildes Lächeln und zauberte unter der Sitzbank einen neuen Satz hervor. Nicht alle Motorradfahrer sind so vorausschauend.
Nach einer Stärkung im örtlichen MC, wurde der Weg nach St-Pee-sur-Niville eingeschlagen. Nach einigen Kreisverkehren hatte Micha im Gewimmel von Bayonne die Orientierung leicht verloren, als sich die Gruppe plötzlich unmittelbar vor der Peage der Autobahnauffahrt befand. Nun kam die Stunde des Garmin. Selbst sein größter Kritiker gestand ein, dass dieses Gerät im städtischen Umfeld gewisse Vorteile bietet.

Über St-Pee-sur-Niville, Sare, und Bera ging es weiter, bis in Lesaka ein nettes kleines Hostal mit dazugehörigem Lokal entdeckt wurde. Das rituelle AnkommCervesa war gesichert.

Am nächsten Tag sollte es weiter gehen ins Baskenland nach Bilbao und am Sonntag wollte man sich mit Edgar und den anderen in der Nähe von Lesaka treffen. Daher bot es sich an, da das Hostal astreine Zimmer zu bieten hatte, gleich für die Nacht von Samstag auf Sonntag dort zu reservieren. Das Essen war schließlich auch gut und günstig.

Freitag

Am Morgen wandelte sich das Lokal zur örtlichen Kontaktbörse. Waren am Abend zuvor nahezu ausschließlich Männer anwesend, nutzte das Weibsvolk die frühe Stunde während die Männer schon auf der Arbeit waren, um sich gegenseitig mit dem neuesten Klatsch und Tratsch zu versorgen.

Nach dem Frühstück verließ man dann diesen Ort, in dem Wissen, in 2 Tagen wieder auf der Terrasse zu parken und wandte sich gen Westen.
Ein liebliches Sträßchen windete sich durch den Wald, teils bedeckt von Kastanien um dann wenig später auf der Anhöhe ein wunderschönes Panorama preiszugeben. Dichte Wälder bedeckten die Hänge der vielen Hügel. Von Bergen konnte an dieser Stelle nicht mehr die Rede sein, vom Format eher Mittelgebirge.

Erschreckend, dass der Garmin erneut behauptete Offroad unterwegs zu sein. Spürte man schließlich nicht mehr ganz jungen Asphalt unter den Rädern. Für Spanien scheint es scheinbar unabdingbar zu sein, zusätzlich über gutes Kartenmaterial mitzuführen - bevorzugt von der Marke Michelin. Denn, und zumindest das muss man den Franzosen lassen, von Küchenbewertungen und Landkarten haben sie wirklich Ahnung.
In San Sebastian wurde dann der Sprit langsam knapp. Erneut bekam der Garmin die Chance, seine Talente zu beweisen. Die nächste Tankstelle herausgesucht und bedauerlicherweise den Stadtrundfahrtmodus nicht deaktiviert. Auf der anderen Seite sieht man auf diese Weise etwas von der Welt und kommt an Orte, die man sonst als normaler Tourist nicht entdecken würden. Für New York wäre dieser Modus wohl weniger empfehlenswert, zumal Freund Garmin auch nicht immer die Richtungen der Einbahnstrassen bekannt waren. Schließlich gab es das kostbare Nass und die Reisegruppe konnte die Strandpromenade entlang flanieren.

Heraus aus dem Großstadtdschungels führte der Weg auf den Mont Igledo, von wo aus man einen wunderbaren Blick auf den Atlantik hatte. Fotowütige Motorradtouristen animierten dann den ein oder anderen PKW Fahrer dazu ins Horn zu stossen und freundlich aber bestimmt darauf aufmerksam zu machen, dass die Strasse zum Fahren und nicht zu stehen geschaffen sei.

Die traumhafte Landschaft, den rauen Atlantik, welcher sich stellenweise 200m unterhalb befand, genießend, rollte die Gemeinschaft einige Kilometer die schmale Landstrasse der Küste entlang.

Nochdem in Orio eine Kaffeepause eingelegt worden war und der Garmin erneut versagt hatte, ging es stets die Küste entlang über Getaria, Lekeitio nach Elantxobe (gesprochen Elantschobe). Irgendwo dazwischen war in einem Küstenstädtchen ein Hochhaus mit rund 20 Stockwerken zu bewundern - auf einer Grundfläche von vielleicht 10 mal 10 Metern. Wie ein Spargel ragte es aus der Siedlung heraus. Bauland scheint in dieser Gegend teuer zu sein.

Im Hafen von Elantxobe gab es ein poco Ankommcerveza, war man doch nun im urtümlichen Baskenland angekommen. Erstaunlich schnell stieg der Meeresspiegel, als die Flut einsetzte und gewisser Unglauben zeichnete sich in den Gesichtern der anderen ab, als Floh meinte, die Tide beträge in dieser Gegend rund 4m.

Weiter ging es über Gernica, Bermeo und dann aus Versehen wieder ins Landesinnere um dann nach Sopelana abzuweigen. Dort wurde Habitation für diese Nacht gemacht. Das Hotel sah von innen wesentlich besser aus, als es von aussen erwarten ließ. Mit 50€ war es auch einigermaßen günstig. Uwe hatte mit Herrn Mingo, seinem Lieferanten, ausgemacht, Abends noch ein wenig um die Häuser zu ziehen. Während auf Herrn Mingo gewartet wurde, wurde noch das ein oder andere Cerveza mit Blick auf die Bucht konsumiert und Micha hatte das innere Bedürfnis alle 5 Minuten den Sonnenuntergang in Bits und Bytes festzuhalten.

Herr Mingo entführte die Gruppe zu einem unscheinbaren Lokal etwa 5km nördlich der Unterkunft. Für spanische Verhältnisse waren sie viel zu früh um Abendessen zu können, so gingen sie noch in eine nahegelegene Bar. Herr Mingo war ein sehr angenehmer Gesprächspartner und beschenkte die Gruppe mit viel Information über seine Heimat. In dem unscheinbaren Restaurant wurde dann aufgetischt. Als Vorspeise Serano Schinken, von einer Qualität, wie sie in Deutschland wohl kaum zu finden ist. Dazu Octopus und als Hauptgang Fisch. Uwe und Floh durften eine brachial gute Dorade geniessen, Micha und Sandy wurden mit einem Seewolf verwöhnt. An dieser Stelle noch mal herzlichen Dank an Herrn Mingo für die Einladung.

Samstag

Der Morgen begann regnerisch. Über Nacht hatte es die Wolken vom Atlantik über die Küste getrieben und dort waren sie abgeregnet. Der Drang aufzustehen war nach dem Blick aus dem Fenster nicht allzu groß. Es hat sich auch nicht für alle gelohnt. Nur die ersten drei bekamen noch ein Croissant zum Frühstück. Der vierte durfte sich mit den zum Café gelieferten Keksen begnügen.

Ein wenig befremdlich war anfangs, dass die vier zwar lediglich 2 Zimmer belegt hatten, aber 3 Rechnungen bekamen. Ein Zimmer wurde doppelt gewertet. Dieses Missverständnis konnte aber glücklicherweise schnell aufgeklärt werden.

Die feuchte Küstenstrasse verhinderte ein flottes Vorankommen, ließ aber genügend Zeit, die Landschaft in sich aufzusaugen. Das Meer hatte sich zu dieser Zeit weitgehend zurückgezogen und ließ die Boote auf Grund liegen. Fußgänger wandelten auf den Felsen, die bei Flut mit Wasser bedeckt sind.

Auf dem Weg Richtung Bermeo wurde ein nie in Betrieb genommenes Atomkraftwerk passiert. Erstaunlich, wie Menschen die Umwelt und damit einzigartige Buchten zerstören können. Gernica, welches 1939 im spanischen Bürgerkrieg von deutschen Fliegern zerbombt wurde, lud die Gefährten auf einen Café in einer Fußgängerzone ein. Die Motorräder in Sichtweite geparkt, ermunterten Fußgänger die Reisenden anzusprechen, sich freundlich nach dem bisherigen Reiseverlauf zu erkundigen und dabei längst vergessen geglaubte Deutschkenntnisse auszugraben. Eine sehr sympathische Stadt. Es ist wohl unnötig zur erwähnen, dass die Tapas hervorragend schmeckten.

Über wenig befahrene Straßen ging es weiter über Eligobar, Tolosa nach Leitza. Irgendwo dazwischen bog Micha falsch in einem Kreisverkehr ab. Plötzlich befand man sich vor einer Straße, welche sich kreisförmig wie ein Parkhaus nach wand. Sandy verweigerte zunächst, da sie die Straße tatsächlich für ein Parkhaus hielt. Tapfer folgte sie aber dann Micha bis in die Sackgasse. Garmin bekam den Auftrag, die Gruppe wieder herauszuführen. Und das in Spanien, wo er sich, wie wir inzwischen wissen, nicht besonders gut auskannte. Prompt wollte er dann auch die Abkürzung durch die Innenstadt nehmen und durch geschicktes Ignorieren des Gerätes fand die Gruppe dann auch wieder auf den rechten Pfad.

Als in Tolosa eine kleine Stärkung eingenommen wurde in einem Straßencafe, bewunderte man die Rudel von Radfahrern, die eisern den Berg empor strampelten. Scheinbar scheint Radfahren Volkssport in dieser Gegend zu sein. Verkehrszeichen deuteten auch vorher schon immer an, dass man an Wochenenden tagsüber auf diesen Strecken nur 50kmh fahren darf und einen Sicherheitsabstand von 1,5m zu Radfahrern einhalten soll. Wie gut, dass keiner der spanischen Sprache mächtig war. Sandy, welche bereits zuvor eine hervorragende Performance an den Tag gelegt hatte, überholte dann später spielend alle dieser Radfahrer. Ein Grund für Uwe, dann wieder seine Kamera auszupacken und zu filmen, bis ihm fast die Hand abfiel. Dies geschah auf der Strecke zwischen Leitza und Santesteban. Das Ankommbier rief und es ging zurück in das 2 Tage zuvor verlassene Hostal in Lesaka.

Sonntag

Die hervorragenden Betten in Lesaka hatten ihren Teil zum entspannten Schlaf beigetragen. Dass es unten in der Bar, im Gegensatz zum vorigen Morgen, genügend Croissants für alle gab, ließ den Tag mit Freude beginnen.
Nach einigen Versuchen mit Edgar und den anderen mittels SMS zu kommunizieren, verlagerte man sich doch auf das simple Telefonat und verabredete einen Treffpunkt ca. 30km westlich von Lesaka. Edgar, Andrea, Dieter, Rolf und Sven waren am Tag zuvor bei Ulm in einen Bus gestiegen, welcher sie über Nacht nach Bayonne brachte. Ich glaube s gab dann dort auch das traditionelle MC Frühstück, bin mir da allerdings nicht ganz sicher.

Inzwischen war Sandy experimentierfreudig geworden. Ihre fahrerische Glanzleistung des Vortages, das Wissen, nun auf Sportreifen unterwegs zu sein, ermutigten sie, Floh ein wenig an ihrem Fahrwerk rumzustellen. Selber schuld! Man muss sich die Konkurrenz ja nicht selber schaffen!

Wie 2 Tage zuvor ging es nach Oiartzun (Google und Garmin scheinen sich bei den Ortsnamen nicht einig zu sein - jedenfalls ist das knapp vor San Sebastian) um dort Edgar und die anderen zu treffen. Die Fahrt über diese Hügel war erneut recht abwechslungsreich. Man wich Kastanien, irgendwelchen Jägern, die mit Gewehren auf der Jagd waren aus. Just als Michas 4er Gruppe in den verabredeten Ort einlief, rollte Edgars Truppe aus einer Seitenstraße auf sie zu. Echtes Timing.

Nach einer freudigen Begrüßung übernahm Edgar die Führung. Bzw. sein Garmin, welcher über einen ähnlichen Humor verfügt, wie der von Floh. Zuerst führte er die Gruppe durch eine Fußgängerzone, gesichert durch aus dem Boden ausfahrbare Boller um Fahrzeugen die Zufahrt zu verwehren. Mit neun von Garmin gelotsten deutschen Mopedfahrern hat bei der Konzeption dieser Anlage keiner gerechnet. Für den nächsten Gag lotste Garmin die Neun in einen Steinbruch um sie dann später in eine Sackgasse zu führen. Einem grinsenden Micha war das scheinbar wieder mal klar, da er am Beginn der Sackgasse auf die Garmingläubigen wartete.

Nachdem sich die Horde neu formatiert hatte und lediglich Dieter seinen Stammplatz als Edgars Schatten eingenommen hatte, ging es über ein verwinkeltes Sträßchen von Osinaga südlich zur N-170. Edgar und Dieter waren gleich nicht mehr zu sehen und Sandy verteidigte ihren Platz an dritter Stelle energisch. Souverän geleitete sie Sven, Floh und Rolf (in dieser Reihenfolge) zum nächsten Halt. Keiner der Hinterherfahrenden hatte das Bedürfnis oder wagte den Versuch an ihr vorbeizukommen. Landschaftlich eine wunderschöne Strecke, vorbei an verlassenen Dörfern, welche den Anschein hatten, einst Basis für den Bergbau gewesen zu sein. Und die Strasse, wie man es mittlerweile von Spanien gewohnt war, in hervorragendem Zustand. Der 170 wurde gen Osten gefolgt um sich dann auf N121A Richtung Pamplona auf einer gut ausgebauten, geraden und langweiligen Strasse von den vielen bisher gefahrenen Kurven zu erholen. Eine sehr umsichtige Planung von Edgar.

Mit dem Wind hatte er allerdings nicht gerechnet. Mit aller Kraft versuchte er die Mopeds von der Strasse zu fegen. Einige km später hatte Edgar ein Einsehen und die Gruppe durfte wieder Kurven fahren. Die Erfahrung, dass man auf Terrassen in spanischen Restaurants nicht immer bedient wird, muss wohl jeder deutsche Tourist am ersten Tag erleben. Aber man ist ja nicht nachtragend und fährt dann einfach zur nächsten Tapas Bar -
ist eh besser als ein Restaurant.

Nach der Stärkung mit lecker Tortilla, ging die Fahrt weiter über Baztan einen schmalen Pass nach Saint-Etienne-de-Baigorry, um dann wieder direkt den Weg nach Spanien einzuschlagen. Auch hier konnte man wieder feststellen, dass sich der Straßenzustand bei Grenzübertritt nach Spanien schlagartig verbesserte. Floh hatte sich schon gefreut, als er plötzlich auf Sven und Edgar auflief, nachdem seien Leistung auf spanischen Straßen spontan wieder abrufbar war. Nach einigen km, seiner Ansicht durchaus forsch gefahren, holte ihn die Aussage von Edgar, dass er nur so langsam gefahren sei, weil er einfach keine Lust mehr hatte, wieder auf den Boden zurück. Überhaupt war das kein guter Ort zum Anhalten. Kaum hatte er leicht enttäuscht seine Zigarette angezündet, erschien auch schon der Rest.

Sauberen Vorsprung rausgefahren! Sandy holte noch mal richtig Schwung, um dann an den rechten Rand zu fahren für die Bremsung. Leider hatte sie den dort angehäuften Split übersehen. Ihr Vorderrad stand, der noch immer angeschlagene Floh sah eine Hornet mit stehendem Vorderrad auf seine Tiger zupfeifen. Der Split wurde sauber verdrängt und prasselte rechts und links hinter der Hornet wieder zu Boden. Millisekunden, die einem wie Minuten vorkommen können. Geistesgegenwärtig öffnete Sandy wieder die Bremse, schloss sie erneut und kam souverän hinter der Tiger zu stehen. Eigentlich sollte es ja wie beim Skifahren sein - unterhalb der Gruppe wird abgebremst! Die lange Reise im Bus hatte wohl nicht den erhofften Schlaf und die damit verbundene Erholung gegeben. Ein wenig erschöpft waren einige der frisch in Spanien angekommenen Teutonen. Daher wurde direkt vor Ort ein Hostal gesucht. Schwieriger als erwartet. Wurden bislang 2 Doppelzimmer gebraucht, waren es nun derer 4 plus ein Einzelzimmer. Dass man sich just an einem Ort befand, welcher auf einer der Haupteinfallsrouten des Jakobsweges befand, war zu diesem Zeitpunkt noch nicht erkannt.

Micha war in diesem Ort eine ganze Weile unterwegs, und es wurde schon vermutet, er würde die Zimmerverhandlungen bei einem persönlichen Ankommcerveza führen, als er mit der Neuigkeit eintraf, dass er einige km weiter eine etwas teurere Herberge für die Gruppe ergattert hätte. Dort angekommen, wurde erst mal der armen Wirtin der Kühlschrank leergeräumt. Gekühltes San Miguel wurde zur Mangelware. Die Mfu ist indes anpassungsfähig und stieg spontan auf Heineken um. Dieter hatte inzwischen schon das Zimmer bezogen und rief vom Balkon, dass man mit diesem Hotel ein wahres Schnäppchen gemacht hätte. In der Tat, die Zimmer waren sehr edel ausgestattet.

Sven hatte die fixe Idee, einen landestypischen Wein zu trinken. So wurden verschiedene Flaschen feinsten Navarras geordert, fachmännisch getestet, nebenbei noch das hervorragende Abendessen genossen, um dann wenige Tage später zu dem Schluss zu kommen, dass de la Casa wohl die beste Weinmarke Spaniens zu sein scheint.

Montag

Obwohl nicht alle Weinflaschen ausgetrunken worden waren, schien der Tag freundlich zu werden. In der Nacht hatte es wohl noch ein wenig geregnet, wie später einige feuchte Stellen auf der Straße verrieten. Mit der Habitation war jeder zufrieden gewesen. Fast jeder. Edgar hatte mit seinem Einzelzimmer nicht gerade den Joker gezogen. Im Vergleich zu den anderen Zimmern, war seines eher eine Abstellkammer. Aber zumindest war er ausgeschlafen.

Für Rolf verzögerte sich die Abfahrt ein klein wenig. Scheinbar hatte er am Vortag den Begriff Heizgriff falsch interpretiert und viel zu fest am Kabel gezogen. Der Griff hatte keine Verbindung mehr zu der Schale, welche ihrerseits mittels der Gaszüge den Vortrieb herstellen soll. Auch eine Form der Drosselung. Die Mädels und die Raucher fuhren einstweilen schon los. Die einen, um noch günstig ihr Suchtmittel erstehen zu können, die anderen, weil sie bei der Reparatur ohnehin nicht viel hätten helfen können. Und so bastelten Rolf, Dieter, Sven und Edgar an dem Gaszug und ließen die Pilger auf dem Jakobsweg an ihrem handwerklichen Geschick teilhaben. Der jakobsweg passierte unmittelbar das in der Nacht besuchte Hotel. Die Route ging erneut Richtung St-Jean-Pied-de-Port. Ein Stückchen hinter Orreaga holte die Verfolgertruppe die Frühstarter wieder ein. Dann wurde es lustig. Gemeinsam wurde ein Smart gejagt und getestet, wie viel Schräglage so ein Moped wohl zu leisten vermag.

In Arneguy bekamen die Mulis alle noch mal den Tank vollgemacht. Die Autofahrer hat es wohl nicht so gefreut, dass gleich neun Mopeds da waren und die letzten beiden billigen Zapfsäulen vor der französischen Grenze in Beschlag nahmen. Die Tussi in dem Limburger Wohnmobil sah jedenfalls so aus, als hätte sie das letzte mal im Sandkasten gelacht. Wohl ein Grund, weshalb sich Sandy weigerte, ihre Landsmännin zu begrüßen. Kaum getankt ging es schon auf Edgarwege. So schmal, dass kaum zwei Mopeds aneinander vorbei gepasst hätten, von Rollsplit übersät, aber zumindest durchgehend asphaltiert. Straßen, welche den km-Schnitt deutlich drücken, dafür aber in aller Regel mit phantastischen Panoramen belohnen. So auch in diesem Fall. Entlang der franz-spanischen Grenze hangelte sich unser Neuntett und konnte die wilde Bergwelt der Pyrenäen in sich aufsaugen. Allerorts waren Schafe und Pilger auf der Gasse unterwegs. Respekt vor der Leistung, diese Höhen rein des Glauben willens zu erklimmen. Zumal auch noch ein fürchterlicher Wind über diese ungeschützten Höhen pfiff. Die vielen engen Kehren waren wohl der Grund, weshalb Sandy diese Strecke nicht weiter fahren wollte. Ihr Handgelenk machte ihr wieder zu schaffen und die ständige Kuppelei war dann wohl doch ein wenig zu anstrengend. Die anderen machten dann irgendwo auf der Strecke nach Larrau noch eine Pause. Das Lokal war ein niedrig gebautes Gebäude, zwischen den Tischen liefen die Hühner frei umher und die Gesellschaft gönnte sich bei Sonne und Wind Kaffee und Kuchen. Sven fütterte dann noch die Hühner mit den Bröseln. Von Larrau ging es dann wieder nach Spanien. Kurz vor der Grenze gönnte sich Dieter noch einen Ritt durch den Schotter um eine bessere Stelle zu finden um das Panorama zu genießen. Ansonsten war der Zustand der franz. Strasse auch nicht viel besser. Wieder änderte sich dies schlagartig bei Grenzübertritt. Gut ausgebaut und topfeben bot sich die Rennstrecke, auch wenn das freilaufende Rind im oberen Teil die Kurven als Toilette missbraucht hatten. So kamen sie in das gut ausgebaute Tal von Ezcároz nach Navascués. Floh kam die Strecke bekannt vor, war er sich ja schon einige Tage zuvor gefahren. Dieter legte ein zügiges Tempo vor, Uwe bangte um seinen Reifen, welcher solchen Geschwindigkeiten nicht mehr lange standhalten würde. Rolf spielte indes Dieters Schatten und folgte ihm dicht. Mehrfach setzte er deshalb sein ABS ein, als Dieter völlig überraschend bei Orteinfahrten die Geschwindigkeit reduzierte.

Bei Navascués zeigte Floh, welcher lediglich auf eine geniale Strecke hinweisen wollte, aufgeregt nach links. Rolf und Dieter fuhren weiter, Floh folgte, konnte aber dann niemanden mehr im Spiegel ausmachen. Also kehrte er zurück und fand die anderen am Abzweig Richtung Burgi stehen. Edgar war der Meinung gewesen, Floh hätte auf den Ort gezeigt, in welchem Micha und Sandy warteten. Der wusste zwar von nichts, aber es war der Ort. Muss wohl eine Eingebung gewesen sein.

Uwe gesellte sich zu den beiden, da er sich nach der letzten Etappe spontan entschlossen hatte, ab nun seinen Reifen zu schonen. Mittlerweile gab es also drei Gruppen. Edgar, Floh, Sven und Andrea fuhren dann über die Rennstrecke nach Burgi, welche Edgar nicht so gut gefiel. Er fand die Strecke sei zu schnell und sein Moped hätte, gerade mit den Koffern zu wenig Schräglagenfreiheit. Floh dachte sich bei der Aussage nur, was er doch für ein Weichei sei, denn mehr Schräglage wäre seiner Ansicht nach gar nicht möglich gewesen.

In Sigués wurde am gleichen Café gehalten wie schon Tage zuvor. Dorthin wurden auch Dieter und Rolf gelotst welche die gut ausgebaute Umgehungsstraße genutzt hatten.

Edgar hob dann irgendwann schüchtern die Hand und fragte, ob ein Suzuki Mechaniker anwesend sei, da seine Bremse so komische Geräusche von sich gäbe. Rolf erbarmte sich, sah sich die Sache an und kam grinsend zurück. Die Belagplatten schliffen schon den Grat der Bremsscheiben ein. Von Belag selbst war nur noch etwas zu erahnen. Dringend musste hier für Ersatz gesorgt werden. Aber woher nehmen in der spanischen Pampa? Kein Problem - schließlich ist man ja ADAC Gold Mitglied, ruft mal eben mittels Handy in München an und lässt sich die Adresse und Telefonnummer des nächstgelegenen Suzukihändlers mitteilen. Der wird dann angerufen und die Beläge für den nächsten Abend bestellt. Und das alles, ohne einmal aufzustehen. Edgar ist ein Genie!

Die Gruppe um Micha hatte inzwischen in Isaba Habitation organisiert und die fehlenden sechs machten sich nach dem Café auf den Weg dorthin. Wieder ging es durch die wilde Schlucht nach Burgi wo Floh vergeblich nach dem Geier Ausschau hielt. Er versteckte sich scheinbar schon wieder. Das Hostal in Isaba zu finden war eine Kunst für sich. Irgendwo mitten im Ort musste man in eine enge Gasse abbiegen, welche mit groben, unbehauenen Steinen gepflastert war. Dann noch 2x und man passierte die Rückseite der örtlichen Kirche, welche allerdings eher wie eine Burg aussah. Müssen damals wilde Zeiten gewesen sein.

Sandy, Micha und Uwe waren bereits beim AnkommCerveza. Dazu hatten sie sich leckere Milchbrötchen und Schinken geholt. Ein Beispiel, welchem Dieter gerne folgte. Ein wenig befremdlich war allerdings, dass die örtlichen Fliegen sich überall aufhielten, die Leichen ihrer Geschwister von den Lederklamotten der Moppedfahrer fraßen, jedoch einen weiten Bogen um den Schinken machten. Micha meinte, spanische Fliegen seien des Schinkens bereits überdrüssig, Sven hatte anderen Tages allerdings eine andere Theorie.

Nach der Körperhygiene und noch einigen Cervezas ging es dann in das einzige Lokal am Ort, welches es gestattete in den Räumen Tabakwaren zu konsumieren. Die Einrichtung sah zwar nicht besonders einladend aus, dafür war die Speisekarte gespickt mit Dingen, deren Bedeutung man nicht mal erahnen konnte. Mutig wählten die Reisenden aus dem Angebot. Durchgehend wurden sie mit Köstlichkeiten für diesen Mut belohnt. Edgar sogar mit Erbsensuppe. Nach verschiedenen "una altro vino tinto de casa", ließ man dann den Abend ausklingen und zog sich in die liebevoll ausgestatteten Zimmer des Hostals zurück.

Dienstag

Das Hostal in Isaba war sehr liebevoll eingerichtet. Um die aus unbehauenen Steinen errichtete Wand im Bad nicht einfach mit schnöden Fliesen zu verdecken, bekam die Dusche eine Glaswand, welche die Sicht auf die Mauer zuließ, diese aber dennoch vor Feuchtigkeit schützte.
Überhaupt waren die Wirtsleute sehr herzlich und bemühten sich nach Kräften, den Gästen einen angenehmen Aufenthalt zu bieten. Selbst ein Frühstück, nicht unbedingt üblich in Spanien wurde den Gästen geboten. Einzig der Kaffee ließ nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Wirt ein gebürtiger Engländer war. Die Kunst, diese koffeinhaltige Köstlichkeit zu brauen, scheint Menschen von der Insel genetisch verwehrt zu sein.

Der erste Weg des Tages führte zu einer Tankstelle. Auf den noch feuchten Straßen, ging es zunächst nach Süden. Micha stellte an der Tankstelle fest, dass Lotte sich doch den ein oder anderen Tropfen Öl gegönnt hatte. Zunächst füllte er einen viertel Liter ein, um diese Prozedur dann noch 2x zu wiederholen. Aber um Lotte zu entlasten, auch Sandys Hornet hatte sich einen ordentlichen Schluck gegönnt. Entweder war das die Quittung für Sandys Heizerei, oder Lotte und Elise hatten des Nächtens auf einen wunderbaren Tag angestoßen.

Nach dem Tanken ging es nordwärts nach Frankreich. Ein Stück hinter der Grenze bog Edgar zielsicher von der Passstraße in ein Gässchen ab. Bei Sandy leuchtete sofort die Bremsleuchte auf. Klarer Fall von Verweigerung. Die Erinnerung an den engen Pass des Vortages war wohl noch zu präsent. Da Edgar nicht wirklich gewartet hatte, wurde er per SMS informiert, dass es nun 2 Gruppen mit einer Wiedervereinigung in Arudy geben sollte. Micha, Sandy, Uwe und Floh wählten den gut ausgebauten Umweg. Bei diesem Trubel ging Andrea verloren. Sven war der Ansicht gewesen, Andrea hätte sich der Umgehungstruppe angeschlossen. Nun waren es also 3 Gruppen. Erschwerend kam für Andrea hinzu, dass sie zwar die Routen in ihrem Garmin hatte, sogar die für diesen Tag geplante Route gespeichert hatte, aber aufgrund von Planänderungen noch die Route des Vortages aktuell war. Kommunikation mittels Mobilfunk war in dieser Gegend allerdings ein wenig eingeschränkt - was nicht unbedingt Andreas Laune verbesserte.

Die Verweigerer fuhren einstweilen eine "landschaftlich wunderschöne" Strecke. Kurvenreich wand sie sich durch die nördlichen Wälder der Pyrenäen. Die Gegend war sehr dünn besiedelt und ab und an konnte man Pilzsucher am Wegesrand sehen.
Richtig Fahrspaß konnte die Strasse trotz der Kurven nicht vermitteln. Überall lag loser Split auf dem Asphalt, so dass man sich bei Schräglagen zurückhalten musste.
Als Floh um eine Kurve kam, entdeckte er auf der linken Seite ein Pferd am Wegesrand äsen. Einige Meter weiter stand Uwe in einer Kurve, um die Szene zu fotografieren. Weil die Szene so romantisch war, gesellte sich Floh zu Uwe, auch um eine zu rauchen. Kaum war die Zigarette entflammt, trottete das Pferd interessiert heran. Besonderes Augenmerk richtete es hierbei auf die weiße Tiger. Seine braune Schnauze war von Fliegen übersät. Scheinbar schien dies zu kitzeln, schüttelte das Pferd doch immer wieder mit dem Kopf um die Fliegen kurzzeitig zu vertreiben. Inzwischen war das Pferd an der Tiger angelangt und zeigte keinerlei Respekt vor der Großkatze. Genüsslich begann es am Topcase zu lutschen, nicht ohne immer wieder die Fliegen durch Kopfschütteln zu vertreiben. Floh befürchtete schon, das Pferd würde das Moped umwerfen und schob deshalb den Kopf des Gaules beiseite.
Das ließ sich davon nicht irritieren und fuhr fort, die Sitzbank zu belutschen. Uwe war dabei keine Unterstützung für Floh, sondern stand lediglich grinsend da und versuchte möglichst viele Szenen zu fotografieren. Die Sitzbank schien nicht sonderlich zu schmecken, daher verlegte sich das Pferd nun auf den linken Spiegel. Da hatte Floh endgültig genug, setzte den Helm auf und stob, bevor das Pferd den Spiegel abbeißen konnte, davon.
Nachdem die Tiger entfleucht war, konzentrierte sich das Pferd auf das nächste Moped und verleitete Uwe dazu, auch die Flucht zu ergreifen. Kurz darauf erschien Micha in der Szene und kam auf die Idee, endlich mal eines dieser am Wegesrand stehenden Pferde zu fotografieren. Von der Zutraulichkeit und dem offenkundigen Interesse des Tieres für Motorräder überrascht, suchte nun auch Micha sein Heil in der Flucht.

Am Kirchplatz von Arudy fanden die Pfadfinder um Edgar, die Gässchenverweigerer in einem Cafe wieder. Andrea hatten sie zuvor schon eingesammelt.
Über Laruns ging es dann nach Biescas. Knapp hinter Eaux-Chaudes wollte Uwe eigentlich Andrea filmen. Wieder setzte er seinen Einhandfahrtrick ein und dokumentierte Andreas Fahrweise aus der freien Hand. Irgendwie war das Sandy wohl zu langsam und ballerte an den beiden vorbei. Dies wiederum weckte Andreas Ehrgeiz, ließ sich nicht abschütteln und Uwe hatte plötzlich alle Hände voll zu tun, den rasenden Mädels nachzueilen. Mit einer Hand nicht ganz einfach.
Auf der Passhöhe war es den Mädels zu frisch und auch Micha wollte keine rauchen. Sie fuhren einstweilen vor und knapp danach begann der Rest der Truppe gediegen den Pass runter zu surfen. Wie so üblich standen einige Pylonen im Weg rum, welche kein größeres Hindernis darstellten. Allerdings weckten sie dann den Ehrgeiz eines Porsche Cayenne. Er wehrte sich ein wenig, aber unmittelbar hinter einer Rechtskurve gab es die Chance den Porsche zu vollstrecken. Konnte man ahnen, dass Micha 300m später einen Haltepunkt in der Sonne gefunden hatte. Der Porschefahrer war nicht sonderlich angetan, dass ihn die Zweiräder erst überholten und dann ausbremsten. Seinen Unmut tat er dann mittels seines Signalhorns kund.

Hier teilte sich die Truppe. Edgar, Dieter und Uwe fuhren nach Jaca. Edgar wegen der Bremsbeläge, die beiden anderen aufgrund der Hoffnung dort einen neuen Hinterreifen zu bekommen. Treffpunkt sollte dann Ainsa sein.
Die anderen fuhren dann über die kurvenreiche N-260 um bei Sarvisé Richtung Fanlo abzubiegen. Sven befürchtete, dass sein Sprit nicht reichen könnte und klinkte sich an dieser Stelle aus. Nach kurzer Zeit wurde die Strasse zu einer Schlaglochpiste. Aber das war nicht so schlimm, animierte das Panorama mehr zum gucken den zum rasen. Dort begegnete der Truppe auch weitab jeder Ortschaft ein Bauer mit seiner Kuhherde. Er trieb seine gewaltige Herde, bestehend aus einer Kuh den Berg hinauf. Angesichts der Landschaft kam Rolf auf die Idee, mal einen Tag aufs Moped zu verzichten und sich dafür an einen Fluss zu setzen. Sachen gibt's...

In Ainsa wurde zielsicher ein Hostal angesteuert. Micha war zunächst ein wenig abgeschreckt, hing dort doch ein Schild "Bikers welcome". Seiner Ansicht nach ein sicheres Indiz für mangelnde Qualität. Er wollte die Entscheidung nicht alleine treffen und nötigte deshalb Floh gemeinsam mit ihm im dritten Stock Zimmer anzusehen. Die Herberge war weit von jeglicher Art von Luxus entfernt. Aber für eine Nacht würde es wohl gehen. Mit Ausnahme des Einzelzimmers für Edgar. Das war schlichtweg eine Frechheit. Eng, mit lediglich einem Fenster zu einem 2x2m großem Innenhof. Der Toilette fehlte der Klositz. Eigentlich nicht schlimm, gab es dort doch lediglich eine Funzel, welche die Bezeichnung Lampe nicht verdiente. Jede Notausgangsleuchte spendet mehr Licht. Nach kurzer Verhandlung konnte dann aber doch zum selben Preis ein Doppelzimmer für Edgar ergattert werden. Einziger Wermutstropfen: 5.Stock ohne Aufzug.
Rolf, Andrea und Sven waren mit diesem Hostal nicht so ganz zufrieden und versuchten noch ein anderes Quartier zu finden. Das wir allerdings schon das Ritz von Ainsa gefunden hatten, fanden sie erst später heraus. So bezogen sie also die schlechteste Habitation ihrer Reise.

In Jaca indes bekam Edgar seine neuen Bremsbeläge. Dass Reifen in Spanien sehr teuer sind, bekam dann auch Dieter zu spüren. Erst nach zähen Verhandlungen und einem gewaltigen Rabatt gönnte er sich einen neuen Hinterreifen. Uwe war das immer noch zu teuer. Hätte er doch für diesen Preis zu Hause einen ganzen Satz mit Montage bekommen und selbst das wäre in Deutschland schon kein Schnäppchen gewesen. Er hatte sich schon mit dem Gedanken angefreundet, sich am nächsten Tag zu verabschieden und gemütlich zu Auto und Hänger zu rollen, um dort dann auf den Rest zu warten.
Da rollte ein Pärchen aus Deutschland auf den Hof des Händlers in Jaca. Der junge Mann wollte auch einen Reifen und war wie Uwe entsetzt über die Preise. Uwe war zudem der Meinung, dass der Reifen noch für einige km gut sei. Auch wenn er bereits komplett eckig gefahren war. Um den jungen Mann anzuspornen, sich einen neuen Reifen zu kaufen, bot Uwe ihm 20€ für den alten Dunlop. So kam Uwe günstig an einen Reifen und konnte noch den Rest der Tour mitfahren. Auf dem 100km langen Weg nach Ainsa bekam er den Reifen auch fast wieder rund.

Das Abendessen wurde im "Bikers Welcome" Restaurant eingenommen. Das Essen war lecker, es gab einige Flasche de Casa dazu und einzig der Papagei des Hauses nervte ein wenig mit seinem Geschrei.

Mittwoch

Am Morgen zogen schon die Wolken herauf. An diesem Tag sollte die Wahrscheinlichkeit sich einen Sonnenbrand einzufangen relativ gering sein. Nach einem für spanische Verhältnisse üppigen Frühstück - geröstetes Weißbrot mit Marmelade - wurden die Mopeds beladen. Nicht alle hatten am Vorabend ein glückliches Händchen mit dem Abstellplatz des Transportmittels gehabt. Floh wurde unterstellt, er würde Moped putzen, dabei entfernte er lediglich das Harz, welches vom Regen auf die Tiger gespült worden war. Auf der Sitzbank festkleben ist ja nicht so lustig.

Die Reise sollte gen Westen führen. Edgar legte auf der N260 ein zügiges Tempo vor, wohl in der Hoffnung noch einige Kurven auskosten zu können, bevor es zum dicken Regen kommen sollte. Bei einem kleinen Zwischenstopp, legten einige der weniger zuversichtlichen die Regenklamotten an. Bedauerlicherweise sollten sie recht behalten. Die nächsten 100km ging es bei teils heftigem Regen über sonst wohl traumhafte Straßen. Als der Regen mal richtig heftig war, wurde kurzerhand eine Tankstelle besetzt, um unter dem großen Dach ein wenig Trockenheit zu finden. Die Tankstellenbesitzer waren sehr kulant und ließen die Bande gewähren, solange sie eine Gasse für die zahlenden Kunden ließen. Lediglich bei den Rauchern neben der Zapfsäule zeigten sie sich ein wenig spießig.

Ab el Pont de Suert wurde es dann zumindest von oben etwas trockener, der Regen wurde so dünn, dass man von der Landschaft auch wieder etwas sehen konnte. Nach und nach trocknete dann auch die Strasse ab. Das änderte aber nichts daran, dass Michas neue Handschuhe dafür sorgten, dass man ihm am nächsten Tag noch empfehlen wollte, er solle sich vor dem Essen erst mal die Hände waschen. Das waren allerdings nicht die einzigen Verluste des Tages. Andrea und Sandy waren sich sicher, eine 100% wasserdichte Textilkombi erworben zu haben. Wenn das 100% waren, dann hatte Edgar wohl 1000% gekauft. Daher wurde er nicht müde, zu erwähnen, dass man nie, aber auch nie, etwas anderes als Gore-Tex kaufen sollte. Das half den durchweichten Mädels aber auch nicht viel weiter - sie froren ein wenig.

Für die Strecke bislang hätte man keinen Garmin gebraucht. Weiter ging es ab la Pobla de Segur über die N260 nach Sort um dort über eine "Rennstrecke" nach la Seu d'Urgellet zu fahren. Mit Rennstrecke war allerdings nicht viel, da sich die Wolken entschlossen hatten, den Berg einzunehmen. Sichtweiten um 50m waren die Folge. In einem solchen Nebel kann man dann schon mal das Gefühl für das Gleichgewicht verlieren. So passierte es wohl zunächst einem spanischen Chopperfahrer, welcher in einer Linkskurve havarierte. Weiter unten auf der Strecke warf eine Münsteraner Honda die Gabel von sich. Die Gruppe war groß genug, so dass es keine Not tat, seine Hilfe anzubieten.

Kurz vor la Seu gab es noch einen Café zum aufwärmen - für manche in der Hoffnung, dass die Klamotten schneller trocknen. Rolf war ein wenig überfordert mit der Bestellerei, so dass er es vorzog draußen auf die anderen zu warten. Ging ja auch fast fix - Uwe konnte dem Wirt noch mit seinen fantastischen Spanisch Kenntnissen eine Art von Tapas aus den Rippen leiern.

Andorra wollte Dieter auf keinen Fall besuchen. Er hatte das Gerücht aufgeschnappt, dass ein Hinterreifen dort 75€ kosten soll. Den Schmerz wollte ihm niemand antun, deshalb blieb man auch auf der N-260, anstatt die paar Meter nach Andorra zu fahren, wo es zudem auch günstige Zigaretten gegeben hätte. Beeindruckend war die Verkehrskontrolle der Guardia de Civil. Bestimmt 20 Mann mit 10 Fahrzeugen standen (glücklicherweise) neben der Gegenfahrbahn. Einer von ihnen hielt eine Kette mit Nägeln, auch Krähenfüße genannt, um damit flüchtende Fahrzeuge zu stoppen. So etwas kannte ich bislang nur aus Computerspielen. Angesichts der schnellen Kurven und der Gewissheit, dass die Hälfte der nordspanischen Polizei gerade Wandertag hatte, ließen sich die nächsten Meter entspannt angehen.

Garmin hatte dann einen Geheimtipp für die Meute. Über die C-16 durch einen 8km langen Tunnel. Ein solches Wunderwerk spanischer Ingenieurskunst kann natürlich nicht kostenfrei sein. Interessant war indes die Preisgestaltung. 8,07€ hat bestimmt jeder passend einstecken. Der Tunnel war aber jeden Cent wert. Damit keine Monotonie beim verbotenen Überholen im Tunnel entsteht, stellte das Management Schilder zwischen den Spuren auf, welche im diffusen Licht kaum zu erkennen waren. Dennoch schaffte jeder diese Hürde, um am Ende des Tunnels festzustellen, dass die Straßen auf der anderen Seite des Berges noch nicht trocken waren.
Bei Guardiola ging es dann ab nach Ripoll. Das bereits getestete Hostal in la Pobla de Lillet wurde nicht erneut genutzt. Knapp hinter der Ortschaft waren die Bauarbeiten in vollem Gange. Der Asphalt wurde gefräst und Mengen von Lastern bemühten sich die Reste zu entfernen. Ohne größere Probleme konnte der Weg allerdings fortgesetzt wurde, als kurz vor Ripoll wieder starker Regen einsetzte.

Ein Hostal zu finden gestaltete sich schwieriger als gewohnt. Teile der Gruppe schwärmten bei immer noch starkem Regen aus, um Touristinfo, Garmin und sonstige Quellen zu bemühen Habitation zu finden. Micha, Uwe und Floh bemühten sich indes den Cerveza Umsatz des Ortes zu fördern.
Sven hatte ein Hotel gefunden, etwas teurer als gewohnt, aber immerhin ein Dach über dem Kopf, um aus den feuchten Klamotten herauszukommen. Edgar übernahm die Führung um das Hotel, wo Sven wartete, aufzusuchen. Um es kurz zu fassen, so ähnlich muss sich Odysseus auf seiner Reise gefühlt haben. Zweimal machten die Gruppe eine Stadtrundfahrt, gelangte dabei in eine Einbahnstraße, deren Ende von einem Kran versperrt war. Dieter fuhr kurzentschlossen im 90° Winkel über den hohen Bordstein und nutzte den Gehweg. Inspiriert von diesem Kunststück wagte auch Rolf den Versuch, wenn auch mit einem etwas ungünstigerem Winkel. Beim dritten Versuch klappte es dann auch, die FJR sanft zur Seite abzulegen. Als dann das Hotel endlich gefunden war, zog man sich schnell um und konsumierte dann das verdiente AnkommCerveza.

Dass Ripoll recht verwinkelt ist und die Orientierung erschwert, war inzwischen bekannt. Genauso anspruchsvoll gestaltete sich dann die Suche nach einem Restaurant. Uwe ergriff die Initiative, sprach eine junge Frau an und brachte erneut seine hervorragenden Spanisch Kenntnisse zum Einsatz. Tatsächlich verstand sie seine Hände und Füße und geleitete die Gesellschaft zu einem Lokal, wo dann formidabel gespeist wurde. Die Belohnung für diesen feucht-kalten Tag.

Donnerstag

In der Nacht hatten sich die Wolken entschlossen, erst mal Frankreich heimzusuchen und Nordspanien zu verschonen. Das Frühstück wurde in der sterilen Bar des Hotels eingenommen. Aber immerhin gab es das zweite Mal auf dieser Reise Tortillas zum Frühstück. Der Café war auch so, wie man es von ihm erwartete. So konnte man über das Ambiente hinwegsehen.

Dann wurde so langsam zum Aufbruch geblasen. So mancher schälte sich in noch immer feuchte Klamotten, die Gore-Tex Fraktion hatte damit kein Problem. Dieter machte dann Edgar ein wenig Konkurrenz mit seinem Leibchen. Er behauptete zwar steif und fest, das Shirt sei frisch aus der Weltraumforschung, der ein oder andere war jedoch überzeugt, es sei was sexuelles.

Ob es Tradition war oder Gewöhnung, ließ sich nicht abschließend klären. Jedenfalls übernahm Edgar erst noch mal mit der Gruppe eine Stadtrundfahrt, bevor er den Weg gen Frankreich einschlug. Über Molló ging es, die fantastischen spanischen Straßen nutzend zu französischen Grenze. Hier war der Grenzübergang deutlich sichtbar. Wie mit dem Lineal gezogen unterschied sich der franz. vom span. Straßenbau. Ein Grund dies mehrfach zu fotografieren.

Bis Prats-de-Mollo-la-Preste hatten die Straßenbauer ihre Aufgabe ein wenig vernachlässigt. Auf dem weiteren Weg hatten sie allerdings beste Arbeit geleistet. Gemeinsam mit den Landschaftsdesigner kreierten sie eine wunderbare Strecke mit herrlichen Kurven und vergaßen dabei auch nicht, diese mit Alleen und Felsvorsprüngen abwechslungsreich zu garnieren. Das Auge fährt schließlich mit.

Noch einmal dieses Jahr die Füße ins Mittelmeer zu stecken war der Plan. Daher ging es auf direktem Weg Argelés-sur-Mer. Mehrere Plagen wurden verschmäht, es sollte zum Plagé Central gehen. Wenn schon, denn schon. Die Mopeds wurden geparkt und zu Fuß gingen die Reisenden über den weiten Sandstrand zum Meer. Sven hatte scheinbar keine Zeit mehr, die Socken auch noch auszuziehen, bevor er den Fuß in das salzige Nass steckte. Uwe und Floh versuchten, dem wellenschmeißenden Meer so nahe wie möglich zu kommen, ohne nasse Füße zu bekommen. Erfolglos. Die dritte Welle kam so geschwind, dass die Stiefel zeigen konnten, ob sie tatsächlich wasserdicht sind.

Direkt hinter dem Strand lag ein Café, welches zum verweilen einlud. Ein letzter Café, welchen alle Teilnehmer der Tour zusammen genießen konnten. Dazu noch ein großes Eis, serviert in recht kreativen Bechern. Dann folgte der Abschied. Andrea, Sven, Rolf, Dieter und Edgar wollten an diesem Tag noch ein gutes Stück weiter Richtung Seealpen kommen. Wie das verlief, muss jemand anderes berichten.

Nach dem herzlichen Abschied von den anderen fünf machten sich Uwe, Sandy, Micha und Floh auf den Weg in den Süden um die beiden zurückgebliebenen Fahrzeuge wieder einzusammeln.
Der Weg führte über die malerische Küstenstrasse, deren Landschaft Uwe und Floh nicht genießen wollten, sondern mit dem Vorsatz befuhren, möglichst viel Gummi zu verbrennen. 50km Kurven am Stück, durchsetzt mit wenigen Ortschaften, welche kurze Verschnaufpausen zu gönnten und das Adrenalin senkten. Sowas findet man leider nicht oft.

An dem Parkplatz, an welchem Wochen zuvor das unschuldige leere Weizenfass ausgesetzt worden war, entschieden die beiden, auf Sandy und Micha zu warten. Das Fass muss allerdings mittlerweile in die Hände von Souvenirjägern gefallen sein, da es unauffindbar war. Nach gefühlten 7, jedoch tatsächlich 2 gerauchten Zigaretten, waren Micha und Sandy noch immer nicht erschienen. Als auch das Auto, welches von den Jungs ganz am Anfang der Strecke überholt worden war, gemächlich vorbeirollte und keine SMS vom Verbleib des Pärchens kündete, entschlossen sich die beiden Heizer nach dem Rechten zu sehen. So wenig Spaß hatte die Strecke schließlich auch nicht gemacht. Zurück über die malerische Bucht von Colera hetzten sie ihre Kräder über den Hügel nach Portbou. Eine kurze Etappe, da sie von 3 Tunnels, welche nicht recht zum Charakter der Strecke passen wollten, abgekürzt wurde.

In Portbou hielten sie Ausschau, ob Micha und Sandy vielleicht in einem Cafe Rast gemacht hatten und nahmen dann den kurvenreichen Anstieg zur französischen Grenze in Angriff. Ihre hubraumschwachen Motoren hielten sie dabei auf hohen Drehzahlen, um auf der kurvenreichen Strecke stets optimale Beschleunigung zu haben.
Die Grenze war wie üblich unbesetzt, also fuhren sie weiter um in Cerbere die Straßencafes abzuklappern. Knapp hinter dem mit Gruften der Familien Cerberes gefülltem Friedhof erhielt Floh eine SMS von Micha. So hoffte er, konnte es ja auch die obligatorische "Willkommen in Frankreich. Ihre Mobilbox..." Nachricht sein. Tatsächlich es war Micha.

Er teilte mit, er sei auf der alten N, oberhalb der drei Tunnel. Nach kurzer Ratlosigkeit hatten sie es verstanden. Es muss also vor der Eröffnung der Tunnel einen Weg über den Berg gegeben haben, welcher von Micha gesucht und gefunden wurde. Es folgte die Kehrtwende, die Friedhofsbesucher schüttelten missmutig den Kopf und die Grenze wurde erneut ins Visier genommen. In vor EU Zeiten wären so schnelle Grenzwechsel undenkbar gewesen. Hatten die Spanier doch damals bewusst ein anderes Schienensystem gewählt, damit französische Züge im Falle einer Invasion nicht einfach so ihre Armeen und Material weiter ins Land hätten bringen können. Stille Zeugen dieser Epoche sind die riesigen Bahnhöfe von Cerbere und Portbou, welche nahezu die Hälfte der Fläche der beiden Orte in Anspruch nehmen. Mit dem Wissen der unbesetzten Grenze wurde der Gashahn vor dem Länderwechsel nur mäßig gedrosselt. Der Schreck war groß, als unmittelbar an der Grenze doch ein Fahrzeug der Guardia de Civil stand und die beiden Beamten sich gerade bemühten ihrem Kleinwagen zu entsteigen. Eine solche Begegnung hat Einfluss auf den Fahrstil. Etwas zurückhaltender rollten die beiden den Abhang nach Portbou hinab und hielten Ausschau nach dem auf der anderen Seite zu suchenden Abzweig, welcher zu Micha und Sandy führen sollte. Knapp nach der Durchfahrung des Ortes führte ein Weg links von der aktuellen N260 hinauf auf den Berg. Der Zustand der Strasse war nicht mehr ganz so optimal, reichte aber aus, um mühelos zwei Pärchen von Radfahrern zu überholen.

Oben angekommen wurden sie von einem grinsenden Micha erwartet. Dieser zählte zunächst einmal sämtliche Fahrfehler auf, welche er von seinem Adlerhorst aus beobachten konnte. Auch dass er sämtliche Schaltvorgänge auf der gegenüberliegenden Seite der Bucht mitbekommen hatte. Motorräder sind scheinbar doch laut - es waren geschätzte 4-5km Luftlinie. Bei so freier Schusslinie ein Fest für Polizisten mit Laserpistolen. Inzwischen waren sie von den 4 Radfahrern eingeholt worden. 2 ältere Herren auf hochmodernen Rennrädern und voller Ausstattung sowie zwei Studentinnen, welche an ihren vom Sperrmüll geholten Rädern Schlösser hatten, welche nahezu den Durchmesser des Vorderrades einnahmen. Hochachtung an die Mädels, mit solchen Museumsstücken einen solchen Anstieg zu bewältigen. Micha und Uwe trugen das diesjährige Dolo/Trentino Shirt. Auf der Rückseite des Shirts sind Symbole von Fahrrädern, Choppern und Weizen. Hinter den Symbolen die (fiktive) Anzahl der Erfolge in Form einer Strichliste.

Der aus einem englischsprachigen Land stammende, gut ausgerüstete Radfahrer, bekam sich gar nicht mehr ein und wünschte sich ein Bild mit den beiden Shirtträgern. Nun wird sicherlich ein Bild von Micha und Uwe, nebeneinander stehend, der Kamera den Rücken zugegekehrt und einem grinsenden behelmten Radfahrer vor dem Panorama der Bucht von Portbou durch diverse Radlerforen geistern. Das Quartett rollte gemeinsam zurück zum Hostal Xavi, stattete dem Hafen von Llanca noch einen kurzen Besuch ab, um bei einem letzten Bier die Sonnenstrahlen Spaniens zu genießen und war erstaunt, dass die beiden Mädels auf ihren Sperrmüllrädern diesen auch in so kurzer Zeit erreicht hatten. Zurück beim Xavi waren sie zunächst einmal glücklich, dass der Opel und Mad Max noch auf ihrem Platz standen. Uwe und Micha gingen erst mal Kaffee kaufen - es waren wohl 16kg. Derweil keimte in Floh der Verdacht, dass es sich beim Xavi um eine spanisch/bulgarische Form eines Paolos handeln musste. Im Hof stand ein BMW mit bulgarischem Kennzeichen, die anwesenden Mädels kommunizierten in unverständlichen und unterschiedlichen Sprachen. Das Haus wurde von vielen Damen bewohnt. Die zum trocknen aufgehängten Jeans im Innenhof setzten hier ein deutliches Zeichen. Nach einigen Recherchen stellte sich heraus, dass die einige Damen aus Marokko stammte, andere aus Osteuropa. In der Bar kündete eine Votivtafel vom Schlosses des Grafen Dracula von einer gewissen Affinität zu Rumänien. Ob die Küche vom Xavi mit jener Paolos konkurrieren kann, wurde an diesem Abend nicht getestet. Ein voll eingedeckter Speisesaal ohne einen einzigen Gast, schenkte kein allzu großes Vertrauen in die Küche. Statt dessen wurde ein Lokal im Ort gewählt. Die Bilder, welche wohl in Kürze auf der Mfu Seite zu bewundern sein werden, werden dem ein oder anderen das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen. Vielleicht kommen beim Anblick der Bilder sogar Zweifel auf, ob es eine weise Entscheidung war, nicht mehr mit nach Spanien zu kommen. Es sei vorab erwähnt: Der Nachtisch bestand aus Creme Catalan.

Die Abreise

Nach einer gewittrigen Nacht fanden sich unsere vier verbliebenen Protagonisten zu einem gemeinsamen Frühstück ein. Uwe hatte eine Bäckerei ausfindig gemacht und versorgte die hungrige Meute mit frischen Croissants. Für Sandy hatte er extra ein großes Glas Nutella organisiert. Uwe weiß eben, wie man Frauen schwach macht.

Um auf dem neusten Stand zu bleiben telefonierte Uwe mit zu Hause und teilte dann - nicht ganz Stolz - mit, dass sein Sohn am Morgen den Führerschein bestanden hatte. Somit hat auch dieses Kapitel ein glückliches Ende genommen.

Es folgte die Verladung der getreuen Mulis, welche auf 2795km stets treue, wenn auch reifenhungrige Begleiter gewesen waren. Dank der inzwischen erworbenen Routine ging dieser Akt schnell über die Bühne. Irritierend war allerdings, dass wohl jemand versucht hatte, in unserer Abwesenheit Mad Max zu entwenden. Das Schloss des Anhängers verriet dies durch deutliche Spuren. Ein Hoch auf deutsche Wertarbeit. Die Amateure des Diebesgewerbes hatten das Schloss nicht knacken können. Floh wollte noch günstige spanische Zigaretten erwerben, da diese in Spanien lediglich die Hälfte dessen kosten, wie in Deutschland. Daher wurde der Weg durch den Ort gewählt. Ein mutiges Vorhaben, mit dem langen Gespann durch die engen Gassen des Ortes zu zirkeln. Gleich in der ersten Linkskurve touchierte Uwe mit dem Hängerrad den Bordstein. Die zur Geschwindigkeitsreduzierung errichteten Stolperschwellen erreichten Höhen, welche die Hängerkonstrukteure froh über die Idee werden ließen, die Kennzeichenleiste so schmal wie nötig, bzw. so flach wie möglich zu bauen. Diese Hürden würden allesamt meisterlich überwunden. Am Ende des Ortes wunderte sich Uwe über das Fahrverhalten des Gespannes und erkannte mit großen Augen, dass das linke Rad von Mad Max bedenklich schwankte. Sofort wurde der Zustand inspiziert und festgestellt, dass die Spurverbreiterung nicht mehr bündig an der Achse anlag. Was war geschehen? Hatte der Schlag des Bordsteines gereicht, die Bolzen der Spurverbreiterung abzuscheren? Hatten sich die Bolzen gelöst? Erst eine genauere Inspizierung konnte Aufschluss bringen. Mad Max wurde abgehängt, Micha und Floh zu Wache abgestellt, Uwe und Sandy gingen Wagenheber und Radkreuz organisieren. Nach dem Lösen der festen Radbolzen und dem Entfernen des Rades machte sich Entsetzen breit. Die Spurverbreiterung war noch mit einem Bolzen befestigt, mit einem zur Hälfte und drei Bolzen fielen schon heraus. Man malte sich aus, was geschehen wäre, hätte man diesen Defekt nicht gemerkt, man hätte das Rad gar in einer Kurve auf der Küstenstrasse verloren. Gedanken, die man eigentlich nicht weiter verfolgen wollte, standen doch immer noch die getreuen Mulis auf dem Hänger, welcher zwischenzeitlich nur noch auf einem Rad und mit der Achse auf dem Wagenheber stand. Das bedrohlich klingende Knacken und Ächzen des Gespannes tat ein übriges, die Spurverbreiterung samt Rad so schnell wie möglich wieder zu befestigen und Mad Max wieder auf die eigenen Räder zu stellen. Es war klar, dass mit der kurzen Ratsche nur eine provisorische Befestigung der Bolzen möglich war und die Hilfe eines Schlagschraubers in Anspruch genommen werden musste. Mittlerweile war es 13:15, in Spanien war die Siesta ausgerufen worden. Man fuhr nach Llanca, machte einen Reifenhändler ausfindig und nutzte die zu wartenden zwei Stunden damit, im nahegelegenen Supermarkt Stärkung in Form von Baguette, Schinken, Salami und San Miguel zu sich zu nehmen. Verständlicherweise kreisten die Gedanken unserer vier Reisenden um die Ursachen des existentiellen Defektes. Lag es am Radlager, dass sich die Bolzen lösen konnten? Hatte es zuviel Spiel, dass diese sich losrütteln konnten? War der Konus der Spurverbreiterung falsch gedreht, so dass keine gleichmäßige Auflage bestand? Und was war mit dem anderen Rad? War das noch fest? Sich des erfolglosen Diebstahlversuchs erinnernd, keimten erste Gedanken, dass es sich gar um einen Sabotageakt rachlustiger Amateurdiebe handeln konnte. Zu diesem Zeitpunkt wurde diese Idee allerdings nicht sehr ernst genommen. Benötigte man dazu ja doch einen Wagenheber, Werkzeug, Zeit und besonders niedrige Instinkte um einen solchen Plan in die Tat umzusetzen.

Nach kaum 2 Stunden Wartezeit hatte der Reifenhändler seine Siesta beendet und die Reifen wurden samt Spurverbreiterung fachmännisch mit Schlagschrauber und Drehmomentschlüssel an der Achse des Hängers befestigt. Das Gefühl, welches sich beim Anblick der Konstruktion breit machte - vier Mopeds auf dem Hänger, die Achse des Hängers auf zunächst zwei Wagenhebern und zwei spanischen Monteuren, welche aufgrund ihres Krafteinsatzes leichte Schwingungen in die Konstruktion brachten - lässt sich schwer beschreiben. Für diese Geste verlangten die Monteure 25€. Der Leser mag sich vielleicht daran erinnern, dass wir uns im gleichen Ort befanden, in welchem ein Abstellen des Hängers für 2 Wochen 400€ gekostet hätte. Ob da ein Zusammenhang besteht? Liegt es an der Luft oder an den Erdstrahlen? Wir werden es wohl nie erfahren. Gegen halb vier konnte die Reise fortgesetzt werden. Noch war es sonnig und es wurden fleißig sowohl visuell und emotional, wie auch phototechnisch die letzten Eindrücke Spaniens archiviert. Mit Grenzübertritt nach Frankreich verschlechterte sich das Wetter schlagartig. Wo zuvor noch die Sonne die Palmen mit ihren Strahlen benetzte, wurden deren französischen Brüder und Schwestern von grauen Schleiern umkreist. Die Gedanken wanderten zu den fünf Freunden, die mittlerweile irgendwo in Frankreich auf ihren Zweirädern der Natur trotzten und man war irgendwie froh einen Hänger zu haben. Die weitere Reise gestaltete sich weitgehend ereignislos. Öfter als sonst wurden nicht nur die Spanngurte auf deren festen Sitz, sondern diesmal auch die Räder auf Sitz selbigen geprüft. Da allerdings keinerlei Veränderungen am Zustand letzteren festzustellen war, entschloss man sich, die Idee der Sabotage zu akzeptieren. In Zukunft wird Mad Max wohl um Felgenschlösser bereichert werden. Über Narbonne, Orange, Lyon folgte die Route der Autobahn bis Mulhouse. Bis dahin zählte das Gespann zu den schnellsten Gefährten auf der Strecke. Dann wurde die deutsche Autobahn genutzt und das Tempo ein wenig gedrosselt. Bei Karlsruhe lachte das allseits bekannte MC Schild die Reisenden gegen halb fünf an und es wurde ein kurzer Boxenstopp eingelegt. Das Schnellessenrestaurant befand sich nicht nur innerhalb eines Autohofes, sondern auch angrenzend zu einem Industriegebiet, welches zudem mit 3 Großraumdiskuteken ausgestattet war. Entsprechend hoch frequentiert war das Lokal an einem Samstagmorgen und unsere Reisenden konnten das erste Mal einen MC mit Türsteher bewundern. Es folgte noch eine Lehrstunde einer leicht angetrunkenen jungen Dame, welche sich darüber ereiferte, in welchem Alter die Jugendlichen heute schon das F...en anfangen - zur Belustigung aller Anwesenden. Die Reise wurde fortgesetzt und nach einem Fahrerwechsel 160km vor der Ankunft, erreichten sie um 7:00 das Ziel bei Herzogenaurach. Nach einem Frühstück mit frischen Brötchen wurde abgeladen, umgeladen und sich verabschiedet.

So endete die Reise in die Pyrenäen nach 2900 Auto Kilometern, 2795km auf dem Motorrad, wunderbarer Erholung und viel Spaß. Und alle freuen sich schon auf die nächste Reise.

Florian (floh, Nairolf) Sauer, Oktober 2007

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