Too fast to die

Marions Logbuch ... Mai-Tour-Bericht

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Von Marion, 05.05.2009, 23:04 und ff.

Vivione, 1. Mai 2009 (Bilder)

Marions Logbuch ... Mai-Tour-Bericht --- Freitag

Ich bin mit VicToR in Italien! VicToR ist meine 1000er Firestorm und außer einer Stippvisite im Elsass kennt er nur die Kurven in der Fränkischen und Umgebung. Ich bin da übrigens auch nicht viel besser und kann da nur zwei „Erfahrungen“ des Großglockners noch mit draufpacken. Aus diesem Grund ist das für mich was ganz besonderes, hier zu sitzen, in einer Art Wintergarten, an einer Tankstelle in Lana, knappe 10 km von Meran entfernt – unserem Treffpunkt.

Nachdem wir schon gestern, am Donnerstagabend, trocken die ersten 230 km über die Autobahn zum Tegernsee hinter uns gelassen hatten, hat mich Floh bei strahlendem Sonnenschein über schöne Wege am Silvensteinspeicher entlang, über die alte Brennerstraße und den verschneiten Jaufenpass hierher gelotst. Wir waren nicht die ersten - von weitem erkannte ich Thorsten, das Fröschle. Nicht, dass ich außer Floh jemanden von der Truppe bis dato kenne, aber grüne Maschine und grüne Kombi – das ist nicht schwer zu erraten!

Die erste Tasse echter italienischer Cappuccino ist noch nicht ganz leer, da kommen sechs weitere Motorräder an und parken teilweise die kleine angrenzende Tankstelle zu. Ah, schon wieder jemand, den ich gleich identifizieren kann: Andrea! Ist ja leicht, weil in ihrer schönen weißen Lederkombi, eindeutig weiblich. Ansonsten wird es nun schwierig, ich habe kein gutes Namensgedächtnis.

„Hallo Moni, ich bin der Sven!“ „Hallo Sven, ich bin die Marion!“ Dazu muss ich schnell erklären, ich bin es schon gewohnt, nicht immer mit meinem richtigen Namen angesprochen zu werden. In meinem „Heimatforum“ gibt es auch Leute, deren „M-Speicher“ voll ist und mich auch mal Manu nennen. Dass Andrea bei der Anmeldung aus mir eine Moni machte, war also nicht weiter schlimm. Nachdem Floh diesen Irrtum aufgeklärt hat, stand auf der Anmeldeseite nun ganz einfach „Flohine“ und so konnte er sich bis zum Schluss entscheiden, wen er denn eigentlich mitnimmt. Ich bin froh, dass seine Wahl auf mich gefallen ist, aber das mal nur am Rande erwähnt. Ich schüttele also noch die Hand von Chris, Dieter, Rene und Edgar und es kommt die Frage auf: „Wo ist Helmuth?“. Auf den letzten Kilometern ging er wohl verloren und Dieter schickt ihm eine SMS nach, dass er sich mit seiner Abkürzung beeilen soll, da alle anderen schon da sind. Nach seinem Abstecher über die Autobahn in Richtung Bozen kam er dann doch relativ schnell an.

Ich muss zugeben, mir ist flau im Magen, als wir dann alle gemeinsam in Richtung Vivione aufbrechen. Bisher bin ich nur nach Gruppenfahrregeln gefahren, die da besagen, dass innerhalb der Gruppe nicht überholt werden darf und da hatte alles seine Ordnung. Nun sollte das anders sein, jeder darf Spaß haben und ich weiß noch nicht, wie sich das anfühlt. Es dauert auch nicht lange, da fahren drei Maschinen an mir vorbei. Eigentlich nix besonderes. Ich kenne die Leute nicht, die Kennzeichen nicht, weiß eh noch nicht, wer Freund und wer Feind ist und halte mich an den Herren mit Rucksack. Dass der zu uns gehört, konnte ich mir merken. Es schlängelt sich eine schöne Straße vor uns dahin, keiner mehr im Rückspiegel, von dem ich mich verfolgt fühle und es kommt ein vertrautes Prickeln in der Magengegend auf. Die Fußballen rücken zurück auf ihre Position auf den Rasten, die Versen drücken gegen die Bleche und der Blick fliegt der Maschine weit voraus und freut sich schon auf die nächste Kurve. Kurz überlege ich, ob ich tatsächlich zum Überholen ansetzen soll/darf/kann und schon bin ich vorbei. Von da an hat das Grinsen in meinem Gesicht fast keinen Platz mehr im Helm. Ist das geil! Die Landschaft ist bestimmt herrlich, die so an mir vorbeifliegt, doch dafür habe ich keine Zeit. Ich spüre nur das Lied, das meine Maschine singt, wie der Motor gleichmäßig vibriert und genieße eine Kurve nach der anderen, kann VicToR am langen Zügel galoppieren lassen, weil die Stecke so schön dahin fließt. Die Anderen fallen mir erst wieder ein, als ich von Weitem eine Tankstelle sehe und mich jemand freundlich zum Boxenstop herauswinkt.

Die nun folgenden Kurven werden enger, die Straße führt an Felswänden entlang und ich bin nicht allein, fühle mich wie im Rudel und ich will mitspielen! Das hat sich zwar schnell erledigt, weil nicht nur ich heftiger am Kabel ziehe, sondern eben die andern auch und sich schnell eine Distanz zu den vorausfahrenden Maschinen aufbaut, aber ich treibe sie vor mir her und mir wird bewusst, dass ich eigentlich schon viel schräger fahre als zu Hause und das mit viel Spaß und ganz selbstverständlich. Bei einer Abzweigung wird die Gruppe wieder zusammengefasst und biegt gemeinsam in ein Tal ein. Die Straße schraubt sich merkbar einen Pass hinauf. Ich sitze nun schon bestimmt fünf Stunden an diesem Tag auf dem Bike; viel mehr als das, was ich zu Hause fahren würde und ich bin noch gar nicht satt – im Gegenteil! Aus den kleinen Schneefeldern am Straßenrand, wird oberhalb der Baumgrenze eine Schneewand, die mir vermittelt, wie es in einer Bobbahn zugeht. Am Bergkamm angekommen, hat jemand von uns mit einem Fußgänger zu kämpfen, der planlos die Straße überquert und mit seinen geschulterten Skiern gefährlich nahe kommt. Unglaublich, vor zwei Stunden fuhr ich noch in Meran an leicht bekleidete Leute mit Eistüten in der Hand vorbei! Gut, dass mein Navi das für mich aufzeichnet, zu Hause muss ich mit Hilfe von Google Earth nachsehen, auf welchen Kontinenten ich mich bewegt habe!

Die Unterkunft, vor der unsere Maschinen einträchtig nebeneinander stehen und unter deren überdachten Terrasse wir nun unser Ankommbier genießen hat einen Hahn am Dach und – so wurde ich schon vorgewarnt – unheimlich enge Duschen. Ich lächle mild in mich hinein, schließlich habe ich durch meine Winterurlaube in Frankreich schon die eine oder andere Miniaturausgabe von Bad- und Küchenausstattung erlebt. Allerdings war ich dann doch von dieser Bonsai-Nasszelle überrascht, die mich erwartete. Nicht nur, dass man auf einer Fläche von etwas mehr als einem Bierfilzla (fränkisch für Bierkruguntersetzer) keinem Wasserstrahl entkommt, der enge Einstieg übers Eck lässt auch keine spontane Flucht von zu heißem Wasser zu. Edgar wird mich später beim Abendessen darüber aufklären, dass man in diesem Fall auch einfach das Wasser abstellen kann …

Apropos Abendessen: Ich sitze in einem Gewölbe, schön mit Rauputz versehen, frisch geweißt, in jeder Nische eine aus groben Baumstämmen geschnitzte Figur, vor mir ein Teller mit dünnen Scheiben Schinken und Quark, garniert mit Silberzwiebeln und Fenchel. Ich gebe zu, sehr lecker – fürs Auge, ebenso wie für den Gaumen. Allerdings habe ich heute außer einem Nutellabrötchen und einem Waffeleis noch nichts gegessen und so eine kleine Brotzeit war jetzt nicht unbedingt das, was ich mir erhofft hatte. Aber ich will nicht meckern, war ja ein wunderschöner Tag und wenn ich mal etwas weniger zu Essen bekomme, dann falle ich auch nicht vom Fleisch. Die freundliche italienische Bedienung hat wohl meinen Gedankengang erraten und stellt noch ein paar Porzellanplatten mit weiteren Leckereien auf den Tisch – Carpaccio mit Ruccula und Parmesan. Na also, geht doch! Der Wein, der mir aufgefüllt wird trägt zum weiteren Wohlbefinden bei. Jetzt wird alles gut! Schon wieder kommt das nette Fräulein und bringt einen ganzen Schinkenschlegel. Ich kann mich an ein Foto erinnern: Das habe ich schon einmal so in der Art gesehen und mir fallen Flohs Worte ein: „Ganz ehrlich, wegen dem Moppedfahren fahren wir nicht nach Vivione!“ Kurzum: Wir werden mit einer Köstlichkeit nach der anderen verwöhnt und irgendwann stehen wir dann mehr als satt und zufrieden mit einem Glas Rotwein in der Hand vor der Türe. Der Wirt stellt uns noch drei Flaschen Reserve in den Blumenkasten und verabschiedet sich für die Nacht.

Marions Logbuch ... Mai-Tour-Bericht --- Samstag

Am nächsten Morgen wecken mich die zwitschernden Vögel aus dem Voliere im Hinterhof und die hereinblinzelnde Sonne, die das saftig grüne Tal genauso hell und freundlich beleuchtet, wie die verschneiten Bergspitzen. Nach einer kurzen Schrecksekunde („Wir fahren heute nicht, wir machen einen Werkstatttag“ – und tatsächlich schraubt Rene an seiner Duc …) bin ich gespannt auf die nächsten Kilometer Fahrpraxis in Italien. Nachdem die Pässe alle noch gesperrt sind, starten wir gegen Süden. Nach knappen 30 km biegt Edgar in Breno nach rechts in eine sich wunderschön eng und kurvig dahinschlängelnde Straße ein, die uns nach Dezzo di Scalve bringt und anschließend einem idyllischem Flusslauf entlang wieder zurück auf die Bundesstraße. Wenige Kilometer weiter zweigen wir schon wieder ab und es geht über ein paar Serpentinen durch einen Weinberg hindurch zu einer kleinen Kapelle mit einem atemberaubenden Ausblick über den Lago d’Iseo. Allerdings sträuben sich mir die Nackenhaare: VicToR ist mir noch reichlich suspekt, wenn er nicht eigenstabil ist, sprich sich unter 25 hm/h bewegt bzw. sogar wie jetzt auf einem steilen Parkplatz steht und gewendet werden muss. Gut, dass ich hier nicht alleine heraufgekommen bin – ich würde hier übernachten! Nach einer Verschnaufpause geht es den gleichen Weg wieder ins Tal. Das heißt nicht ganz! Auf dem letzten Viertel des Weges führt uns unser Tourenleader durch ein typisch italienisches Gässchen steil bergab und führt uns zielgenau in eine Sackgasse. Jeder von uns ist sich einig: Mit dem uns zur Verfügung stehenden motorisierten Material ist der Weinberg auf direktem Weg so nicht zu bezwingen. Habe ich schon erwähnt, dass ich Probleme habe, wenn meine VTR nicht eigenstabil ist? …

Der nächste Ausflug von Edgar-Tour’s in Costa Volpino ist dann weniger spektakulär: Diesmal wurde steil bergauf gewendet, doch ist hier eine Kirche zum Umrunden und wir können das ganze als Sight-seeing-Tour tarnen. Anschließend findet unsere Gruppe doch den richtigen Einstieg und es wird wieder zum Angriff geblasen. Mein Stressadrenalinspiegel, der mich unter meiner Textiljacke recht zum Schwitzen gebracht hat wandelt sich ohne abzuklingen in das bekannte Kribbeln im Bauch, das mich begleitet, wenn ich meine Maschine nicht nur wieder im Griff habe, sondern sie alles für mich übernimmt und ich nur noch nach dem Weg schauen muss – und in den Rückspiegel! Nachdem es nun im flotten Tempo eine schöne Passstrasse zum Passo di Zambla hinaufgeht, zieht jeder heftig am Kabel und ich habe das plötzliche Gefühl meinen Platz in der Kolonne nicht kampflos aufgeben zu wollen. Auch VicToR nimmt einen Entschluss freudig zur Kenntnis und führt jede Fahraktion durch, als würde er mental gehorchen. Trotzdem bekomme ich es nicht geregelt, meinen Vordermann zu überholen, dazu fehlt mir einfach die Übung. Im Rückspiegel erkenne ich nun, dass es sich bei den Verfolgern ausgerechnet um Rene und Floh handelt, beide haben mehr oder weniger die linke Hand in der Hosentasche und warten, bis sie vorbeigelassen werden. Seufzend gebe ich auf, winke die beiden vorbei, überhole jedoch im gleichen Zug meinen Vordermann und spiele wieder die Jagende, bis ich keinen mehr vor mir sehen kann. Als ich am Bergkamm ankomme zirkulieren die Glückshormone durch meinen Körper, wie vorher die Kette um das Ritzel meiner Honda.

Nach einer Cappuccinopause in 1264 m Höhe auf einer sonnigen Holzterrasse geht es auf der anderen Seite den Berg wieder herab mit Richtung Rosolo. Auch hier windet sich im Tal wieder ein Sträßchen einem Fluss entlang und lädt zum Spaßhaben ein. Mein Blick orientiert sich am rechten Hang, um den Straßenverlauf erahnen zu können und um das richtige Maß an Gas zu finden. Doch spielt mir der viel zitierte Straßenbaumeister einen kleinen Streich, als er mittels einer Brücke das Flussufer wechselt, während ich völlig ahnungslos auf das schwarz/weiße Schild zusteuere. Der schwarze Streifen meines Hinterrades am Asphalt zeugt von meiner Überraschung und das spätere Kompliment meines Verfolgers von meiner Stuntleistung.

Nach einem kleinen Zwischenstopp zum Sammeln von neuen Kräften geht es Richtung Nembro zuerst wieder den Berg hinauf. Der Schreck steckt mir noch so arg in den Knochen, so dass ich nichts mehr zustande bringe und alle an mir vorbei winke. Im Trödelmodus erreiche ich die Höhe und staune nicht schlecht, als dort eine große Fangemeinde samt TV-Team auf mich wartet. Als ich die Zwischenzeit-Linie überquere dämmert es mir, dass es sich hier um ein Radrennen handelt und dass die kommenden Kehren bergab nicht gerade der große Spaß werden. Tatsächlich kämpfe ich nicht nur mit meiner schwindenden Konstitution, sondern auch mit Rennradfahrern im Rückspiegel, die dort nicht verschwinden wollen. (Ich überdenke daraufhin mein Vorhaben, einen Aufkleber in den Spiegel zu pappen „objects in mirror are losing“.)

Erst der nächste Tankstop hilft mir wieder auf die Beine und ich fühle mich nach einem Eis und ein paar aufmunternden Worte wieder aufpoliert, wie die in der Zwischenzeit per Dampfstrahler gereinigten Maschinen. Der Ritt kann weitergehen! Trotzdem bin ich nicht unfroh, dass die Strecke nun ruhiger verläuft. Ein kleiner Fight zwischen zwei einheimischen Bikern, die rotzfrech versuchten unsere Spitze zu überholen, holt mir wieder das Grinsen ins Gesicht zurück. Moppedfahren birgt eine Vielzahl von Spaßfacetten in sich.

Obwohl ein Sprichwort behauptet, dass ein rundum gelungener Abend nicht von einem nachfolgenden getoppt werden kann, dürfen wir wiederum ein herrliches Mehrgänge-Menü genießen und stehen anschließend weit in die Nacht hinein bei lauen Temperaturen unter dem Sternenhimmel und führen anregende Benzingespräche.

Marions Logbuch ... Mai-Tour-Bericht --- Sonntag

Es ist Sonntagmorgen und es soll schon wieder nach Hause gehen. Sehr schade!

Doch das Glas ist ja noch nicht ganz leer, denn wir haben uns einen schönen Heimweg ausgesucht. Wir werden bis in die Schweiz noch gemeinsam mit der Gruppe fahren und erst dann über den Fernpass Richtung Heimat rollen.

Die Rolle und der Tankrucksack sind schnell gepackt, kann alles wahllos hineingestopft werden! Einzige Überlegung: Was kann in den "Kofferraum", was brauche ich "vorne"? Die "entfernteste Außenstelle der MFU" hat übrigens die Entscheidung falsch getroffen und ist am Abend dann mit trockenem Regenzeugs, ansonsten jedoch recht nass zu Hause angekommen (Petzemodus aus).

Als die Maschinen aufgerödelt sind bekommen wir zum Andenken jeder eine Flasche Rotwein im Geschenkkarton. Mein erster Gedanke: Floh sollte meine mittransportieren - wenn es mich unterwegs aufstellt, dann bleibt sie wenigstens heile! (Ich schüttele über mich selbst den Kopf!) Kurz vor Aprica ist es dann übrigens fast wirklich soweit. Ich überhole etwas übermotiviert einen Kleinwagen vor einer Kurve und verbremse mich, so dass das Hinterrad blockiert. Das ganze hat eigentlich die gleiche Dramatik wie am Tag zuvor, allerdings verbuche ich es schneller auf die Seite "nix passiert" und merke, auch in solchen Situationen lernt frau etwas dazu. Das nächste Mal reagiere ich gleich richtig und es gibt keinen Schrecken mehr!

Kurz danach verlassen wir die Bundesstraße und nehmen eine feine Abkürzung mit netten kleinen Kurven, bevor wir in Tirano wieder auf die Hauptstrecke stoßen. Allerdings versperrt mir ein Kleinlaster nicht nur den Weg, sondern auch die Sicht, so dass ich nicht überholen kann. Die Vorausfahrenden haben es noch vor der Ortschaft geschafft und ich habe nun die Blödmann-Karte. Jedesmal wenn ich ansetze kommt entweder etwas entgegen oder es geht so eng um ein Hauseck herum, dass ich keine Chance sehe. Doch dann bleibt der Laster stehen und ich habe rechts vorbei freien Blick und da ist freie Bahn! Also rasch die Finger von der Bremse gelöst, um den Gashahn gewickelt und VicToR forsch um das weiße Hinternis getrieben. Und da stand dann auch der Grund, weshalb es nicht weiterging. Die Fahrerin des Autos mir gegenüber zuckte entschuldigend mit der Schulter und ich blinzelte verständnisvoll zurück und verschwand wieder hinter dem LKW. 500 m vor der Stelle, an der die anderen auf mich warteten zum Abbiegen, konnte ich vorbeiziehen ... Nun verabschieden wir uns aus Italien und nachdem ich mit dem Bike noch nie in der Schweiz war ist mein Gedanke: "Nun, entjungfere ich mit VicToR die Eidgenossen!" Am Lago di Poschiavo entlang führt eine wunderschöne breite Straße in weit geschwungenen Bögen und ich versuche ohne mit Gas und Bremse zu spielen hindurchzutanzen. Leider kann man sich nicht so ganz auf die Griffigkeit des Belages verlassen, sonst wäre das Bauchgefühl perfekt! Nach einer langen Mehr-oder-Weniger-Geraden durch verschiedene verschlafene Städtchen kommt eine leichte Anhöhe mit einer genialen Linkskurve und dies ist der Auftakt zum großen Aufstieg des Tages.

Plötzlich sind wieder alle Sinne voll auf Empfang. Hatten sich ein paar Kilometer vorher schon Gedanken an nach Hause eingeschlichen, so zählt jetzt nur noch das Hier und Jetzt, die nächste Kurve, die richtige Drehzahl. Ich fühle mich wieder eins mit meiner Maschine. Der Spaßfaktor wirkt sofort, wie intravenös verabreicht. Auf 2300 m angekommen bin ich fast schon beleidigt, dass es nun vorbei sein soll, doch die Szenerie fesselt mich. Die Schneewände sind teilweise noch weit über zwei Meter hoch und die Skilifte sind alle im Betrieb. Auf der Terrasse sitzen Leute, die sich auf Schwizerdütsch unterhalten und auf dem Weg zur Toilette lese ich etwas von Röschdi und Spiegelei. Es werden noch ein paar Fotos geschossen, Andrea friert es so, dass sie nun lieber ihre Regenjacke über die Lederkombi zieht und dann wird auch schon wieder aufgesattelt. Die Hochebene, die wir nun entlang fahren lässt mich tatsächlich an der Jahreszeit zweifeln; hier ist der Frühling noch lange nicht eingeläutet. Fast unmerklich verlieren wir an Höhe und steuern ins Tal. So lassen wir langsam eine herrliche Tour ausklingen. Die Gruppe teilt sich kurz vor der Bahnverladestation. Während sich Edgar, Dieter, Andrea, Sven und Rene die nächste halbe Stunde durchs Tunnel befördern lassen, rollen Helmut, Chris, Thorsten, Floh und ich weiter auf eigener Achse Richtung Pfunds. Doch auch das verbliebene Grüppchen löst sich in seine Einzelteile auf. Chris verabschiedet sich relativ schnell, er möchte noch das Tal ohne Namen befahren und eine Allgäu-Rundfahrt anhängen.

Nachdem wir uns den Fernpass hinaufgebettelt hatten (eine Baustellen-Ampel auf der Passhöhe verschaffte uns bei der Auffahrt eine Vorbeifahrmöglichkeit an der nicht enden wollenden Autoschlange im 2-Minuten-Takt), verabschiedete sich auch Helmut von uns. Zu dritt gingen wir dann hinter Garmisch auf die Autobahn und ließen ein beeindruckendes verlängertes Wochenende hinter uns.

Und nun habt Ihr den Salat! Ich bin angefixt! Es hat mir mit euch soviel Spaß gemacht und VicToR mag auch unbedingt wieder in die Berge … Wieviel Tage sind es noch bis zur Trentour?

Lieben Gruß Marion

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