Too fast to die

Tanja und Sven in Spanien

Von: Sven
Datum: 14.5. 2002 20:05:30

Edgar Kohl wrote:

> Zurück? Erzähl...

Geplant waren 14 Tage. Ziel: Barcelona via Südfrankreich. Unterkunft: Zelt. Versorgung: wenn möglich mit Kocher.

Die ersten drei Tage gingen allerdings ab für Schlechtwetter, sowie Finden der Ursache eines glimmenden Batterielämpchens während der Fahrt an Tanjas BMW: Lichtmaschinenläufer defekt. »Siebenrock«, spezialisiert auf BMW, bietet soetwas dann selbstgewickelt im Tausch für die Hälfte des atem- beraubenden Neupreises an. Konstanz wäre noch billiger, aber weiter weg gewesen.

Auf dem Weg nach SF, via NF, da wir keine Lust auf Schweiz hatten, überkamen uns weitere drei Tage Regen, die wir in den Rhone-Alpen zubrachten. Ansonsten war die Anfahrt nach SF sehr ok, Barcelona damit aber eher gestorben.

Ziel war dann Verdon-Schlucht, aka «Lac du Ste-Croix», 200 km nördlich von Toulon. Sehr akzeptables, aber relativ kühles bzw. auch mal etwas windiges Wetter.

Am «Pont de l'Artuby», Europas höchster Brücke über einen Nebenzweig des Verdon, wurde wider Erwarten «saut en elastique», Gummiseilspringen, durchgeführt. Vor zehn Jahren war das dort, «par Department», mit Vielquadratmetergroßem Schild verboten, da wohl einmal jemand von unten an die Rundbogenbrücke geknallt war. (Damals bin ich dann aus Protest von der Brücke ausgangs der Verdonschlucht in den Lac du SteCroix gesprungen, nur 22m, dafür aber ohne Gummiseil.)

«Tarifs» wurden an der Gummiseilwinde keine angegeben; entgegen meiner Hoffnung auf einen günstigen oder gar kostenlosen »Saisoneinstieg« waren die Sportskanonen aber einfach zu faul, die Schilder neu zu beschreiben und hatten nur die alten entfernt. 95 EUR war jedenfalls für die Albernheit zuviel. Außerdem hatte ich gerade kein Bargeld - und von Tanja wohl keines dafür geliehen bekommen. Scho' was 'gschpart.

Übrigens interessanter Akzent in Alpes d'Haute Provence:
Ich: «Je voudrais acheter du pain.»
Älterer knauziger Bäcker: «Quoi?»
Ich: «Je voudrais acheter du pain.»
Älterer knauziger Bäcker: «Ah, du peng!»
(So auch mit «vingt» (20), etc...)

Auf dem Heimweg einer größeren Verdonrundfahrt meldete sich dann der Kardan, vermutlich das untere, größere Kreuzgelenk. Dort wollte ich nicht reinschauen, die Schrauberanleitung las sich gar furchtbar. Im oberen Kreuzgelenk war nichts zu entdecken. Ersatzteil angeblich 4 Tage später in Toulon. Grenoble hingegen, noch etwas weiter weg auf dem Rückweg, hatte sogar schon zu: Die beiden nächsten Tage, «Victoire '45» und «Ascension» (Himmelfahrt) waren ja Feiertage.

Der Kardan wäre, vielleicht, noch eine ganze Weile gelaufen, aber wann und wie ein Kreuzgelenk dann ungünstigenfalls kaputtgeht, will man nicht erfahren, da ein blockierendes Hinterrad nicht auszuschließen ist. Siebenrock meinte telefonisch, er würde es »vom Schwarzwald nach Stuttgart« wohl mit viel Bedacht ausprobieren, aber mehr nicht. Und irgendwas am Getriebe war auch nicht komplett auszuschließen, das wäre dann fatal.

Nach einem Tag Rumtelefonieren, ohne «Operateur national», sondern mit einem gewöhnungsbedürftigen Text-Tele-Terminal als nationale Auskunft - und den bekannten Problemen mit eigenem, eher rudimentärem Französisch, sowie dem Unwillen der Gegenseite, die guten eigenen Englischkenntnisse zum Zuge kommen zu lassen - hatten wir uns dann schließlich für die alberne, bequemere, vor allem aber schnellere Alternative entschieden: ADAC-plus-goldwasnichtnochalles benutzt, in das wir einen Tag vor Reiseantritt eingetreten waren ¹). (Hat mich viel Überwindung gekostet, in die verdammte deutsche Autolobby einzutreten, hat sich aber immerhin zur Hälfte amortisiert.)

Also alles Unwichtige in Tanjas Koffer und Tankrucksack, alles Notwendige in mein Gepäck, und zu zweit auf meiner Kleinen(©) zurück. Möglichst zügig, aber dennoch via NF, vor allem nicht via Autobahnen. Leider ohne hintere Fußrasten, da die sich ja nicht mit den Koffer- trägern vertragen, auf welchen man die Füße aber eher... naja. Tapfer-tapfer, mit noch nicht beschwerdefreiem Knie bei Sven auf seiner Kleinen(©) hintendrauf mit... »Einmal und niewieder!«. Tausch war angeboten worden (mit inständiger Hoffnung auf Nicht- Inanspruchnahme), das hätte den Kohl aber auch nicht fett gemacht, da »nicht wirklich Fahrspaß« im Vergleich zur BMW.

BMW kommt laut ADAC dann übrigens ab nächstem WE.

Auf der Rückfahrt noch einen Ducatisti getroffen, der sich nicht sicher war, ob ihm der Sprit ausgegangen war, oder ob der bekannt malade Regler wieder mal wegen Überhitzung streikte. Reserve gibt es bei dem Modell nicht - aber immerhin den bekannten Aufkleber an der Seite mit dem Strichmännchen »pissing on japan«. Ein Blick in seinen Tank zeigte jedenfalls gerade mal sehr mäßige Bodenbedeckung, »das Warnlämpchen leuchtete aber nicht«. Also meinen japanischen Tank (unverschraubt) einfach abgenommen, über seinen gehalten und nachgefüllt. Danach leuchtete dann interessanterweise auch das Warnlämpchen wieder..., der Ducatisti konnte wieder fahren und hat dann an der nächsten Tanke die obligatorische Tankfüllung für den Japaner springen lassen. Unterhalten hat man sich ansonsten sehr gut.

Alles in allem eigentlich noch eine relativ runde Sache, da »Abbruch« ja eher am Ende der Reise.

Noch ist unklar, wo wir für Tanja ein Moped herbekommen könnten und haben uns beim Eichhörnchen noch nicht angemeldet.

Hm, hätte eigentlich jemand eines für das kommende WE ins EH übrig?

¹) Sind Angebote über Werbegeschenke des ADAC bei Dir und Dieter ein- gegangen, taugt das denn überhaupt etwas? (ich habe mir das Prospekt mangels Zeit kurz vor Ladenschluß gar nicht selbst durchgesehen)

Sven

-------- Original Message --------

Edgar Kohl wrote:

> ["armer" Sven und Tanja]

Nene, die Regenpause auf der Hinfahrt und die Kardanaktion waren fraglos nervig, aber ansonsten war es sehr interessant.

> > [Schraubergeschichten im Franzmannland]

Mais non monsieur - geschraubt wurde nur daheim!

(Und fuer einen Laeuferwechsel immerhin erstaunlich einfach. Die Schraube, mit der der Laeufer auf die Kurbelwelle geschraubt ist, benutzt man auch um ihn abzuziehen. Ich koennt' da hingegen Geschichten von Herrn Honda erzaehlen, CB750K eines Kumpels am Kalterer See....)

> - Wie oft hat's denn geregnet?

Merklich eigentlich nur wie erwaehnt (aber falsch: nicht Rhone-Alpen, sondern schon Haute Provence) auf der Hinfahrt. Dort hatten wir aber wiederum eine grosse, ueberdachte Sitzgarnitur an einem nichtbewohnten Wohnwagen, so dass wir in Ruhe die Zeit damit verbringen konnten, zu pennen, Kaffe&Tee zu kochen und die Vorraete zu verbrauchen.

Am See war noch irgendwas nachts, aber eigentlich erinnere ich mich da an "sonnig" bzw. mitunter "bedeckt". Das Sturmtief, dass von Sueden nach Frankreich reinrauschte, hat uns dann knapp verpasst. Es sieht uebrigens recht eigenartig aus, wenn man Zirruswolken, die normal "unbewegt" stehen, richtig schnell hereinziehen sieht. Damit dann last but not least: Bei Niesel losgefahren, nach wenigen Kilometern raus- und ins Schoenwetter (in Deutschland) reingefahren.

> - Wie oft ward ihr denn auf Campingplatz mit Kocher?

(Der Kocher war unser, falls das die Frage beantwortet?) Dazu noch einmal wild gecampt und einmal Pension auf der Heimfahrt.

> - Hat sich deine Kleine(©) nicht vernachlässigt gefühlt?

Also ausser Oelwechseln und Kette spannen faellt normal nichts an. Und auf der Heimfahrt zu Zweit hat sie das wohl ganz sicher nicht :)

> - Gibt es Bilder von der ADAC-Aktion?

Leider nicht - ich glaube, es gibt ueberhaupt kaum Bilder. Ich selbst war zu faul zum Fotografieren, obwohl ich einen dabei hatte.

Und manches kann man ja gar nicht in Bilder packen, z.B. den Tunnel von Frejus, den wir nehmen mussten, weil ich zu spaet gemerkt hatte, dass der Col du Glandon oestlich von Grenoble doch noch zu war. Man merkte genau, als man von Frankreich nach Italien ueber die Grenze fuhr, denn die Spaghettis hatten, trotz ueberwaeltigender Maut, die Tunnelbelueftung auf deren zweiter Haelfte der insgesamt 15km abgestellt. Cool, wenn man den Scheinwerferkegel der entgegenkommenden Autos in der Luft sehen kann.

Sven

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