Too fast to die

Oktern 05 - Der 2. Bericht

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Von: Rolf
Datum: 29.3. 2005 22:38:36

Bilder

...mangels Absprache gibts jetzt 2 Berichte, aber nachdem ich die Hälfte bei Edgars Veröffentlichung schon fertig hatte habe ich den Rest auch noch geschrieben.

Das Fazit zuerst für die Schnellleser:

1. Ich weiß jetzt schon, was ich nächsten Ostern tun werde...genau das Gleiche. Man kann sagen was man will, später ist es wärmer, die Strassen sind säuberer, das Wetter ist zuverlässiger und und und... Aber es ist dann nicht mehr Ostern und ich war nicht bei den Ersten :-). Trotz den Regengüssen war es ein Riesenspaß den ich nicht missen will.

2. >>> wie die Befindlichkeit ist :-))
>> Köstlich diese Bemerkung....>
>Vor allem: warum fühl _ich_ mich da so extrem angesprochen? ;-)
Andrea sei Dir sicher, wann immer in Zukunft solche Sprüche auftauchen du_bist_nicht_gemeint.

3. Das Navi kannst Du in der Pfeife rauchen wenn Du nicht die ganze Strecke auch auf normaler Karte dabei hast.

4. Man kriegt auf der FJR einen BT10 auch bei Regen und verdreckten Strassen in 2000 km klein.

5. Die Ostertour ist wichtig, damit man über den technischen Stand der Motorradausrüstung frühzeitig informiert ist. Diverse Einkaufe sind geplant...

Karfreitag
Es ist 0830... was um Himmelswillen verleitet mich jedes Jahr um die selbe Zeit zu solch idiotischen Aktionen. Motorradfahren im warmen Regen... im Augenblick ist der Regen jedenfalls saukalt und so dicht, dass ich nur ein paar Meter weit sehen kann. Ich stelle mir vor es ist das schmale Regenband welches man im Internet auf dem Weg von Osten nach Westen ziehend sehen konnte. Bei Gerstetten reißt die Regenwand ab, unten durch :-). Gleich der nächste Schreck, die Motorraduhr zeigt 1000... Entwarnung, die FJR ist immer noch der Zeit voraus, Sie zeigt schon (noch)die Sommerzeit. Kurz vor MCD seh ich Dieter mit so ?nem kleinen Moped an der Tankstelle, blau -weiß und sieht ziemlich zerbrechlich aus, er wird doch nicht...

Andrea und Andreas sind schon da. Edgar und Dieter auf der neuen GSXR1000 kommen kurz danach. Nach dem obligatorischen Kaffee sprechen wir uns noch einmal Mut zu, freuen uns über das bereits abgezogene Wolkenband und starten. Andreas zeigt Optimismus und lässt die Regenkombi aus. Hinter Memmingen begegnen wir der Regenfront die man im Internet sehen konnte wirklich. Es ist, als fahre man durch eine Waschanlage, meine Visier beschlägt trotz Antibeschlagfolie sofort und ich brauch dringend Fahrtwind um mein Visier freizubekommen, also Blinker links und Gas geben. Als ich 30 km später vom Gas und nach rechts gehe donnert Dieter an mir vorbei (er behauptet später er hätte die ganze Zeit nichts gesehen und wäre immer den roten Lichtern der PKW?s gefolgt). Die Vmax auf meinem Garmin steht nach dieser Aktion auf 203. Am Grenzübergang Österreich nach dem Pickerlerwerb zieht Andreas die Regenkombi über die nassen Klamotten und der Regen hört
auf. Von jetzt an wird das Wetter kontinuierlich besser und wir treffen Bobby hinter Bellinzona bei strahlendem Sonnenschein. Ab jetzt fängt es an richtig Spaß zu machen, Edgar und ich genießen die flotte Slalomfahrt durch den Mailänder Autobahnring bis wir feststellen dass wir alleine sind, von den Anderen keine Spur. kein Problem, Dieter hat ja seinen Garmin mit der kompletten Tour drauf... Ätsch, hat er nicht, er hat nur den Garmin und auch keine Karten geladen. Nach einem kurzen Ausflug Richtung Genua finden die Anderen aber auf den rechten Weg zurück und wir sind schon ca 1600 an der Zielgeraden zum Trebbiatal. Jetzt geht eigentlich alles viel zu schnell, man hat sich gerade auf den ersten Kurven warmgefahren und schon sind wir am Tagesziel. Nach Verhandeln und Drohen mit den Mitbewerbern erkämpft uns Edgar Zimmer für 40 € die Nacht am ersten Haus am Platz. Das Abendessen ist Klasse, Andrea spricht hervorragend Italienisch und Bobby beschwert sich, dass in Punkto feiern mit der MFU nix mehr los ist. Im Verlauf das Abends opfert Bobby sich auf und schultert die Last der Alkoholentsorgung fast alleine. Bobbys letztes Bier trinke ich mit Edgar auf dem Marktplatz nachdem er mit unbekanntem Ziel im richtigen Hotel verschwunden ist.

Samstag
9:00 Das Wetter sieht passabel aus, Dunst, ein paar Wolken, ein blauer Fleck. Ich hab verschlafen, Bobby ist noch später dran... etwas durchsichtig aber klagt nicht. Die Kurvenhatz Richtung Genua runter wird nach 20 km durch Nieselregen gebremst der vom Meer her hereinzieht. Egal, wir wollten eh links abbiegen um erst viel später ans Meer zu fahren. Die Taktik geht auf ohne das Andy seine Regenkombi über die nassen Klamotten ziehen muss. Es wird trocken und wir landen kurz vor Mittag bei strahlendem Sonnenschein in Chiavare am Meer. Leider trennt uns die Bahnlinie vom Strand. Wir fahren durch dichten Verkehr an der Bahntrasse entlang bis man in kleines Restaurant sieht welches eine Zufahrt über die Bahnlinie hat. Zu meiner großen Freude ist es ein reines Fischrestaurant und während die Anderen zuschlagen ist für mich Diät angesagt. Das einzige Nicht-Fisch-Gericht ist so was Tortelliniähnliches was sehr lecker schmeckt, aber nicht sonderlich satt macht. Von hier geht's über den Passo di Braco auf den Pass der hundert Kreuze (in meiner Passsammlung hat er jetzt auch ein Kreuz bekommen, für "keinesfalls auslassen!"). Auch die Abfahrt macht einen Höllen-Spaß auch wenn die Strasse noch verschmutzt und teilweise nass ist. Beim nächsten Anstieg verschwinden wir in einer Wolke, und dabei bleibt?s dann auch. Das Tagesziel Abetone wird gestrichen und wir beschließen ab 18:00 das nächste Hotel zu nehmen. Nur dass wir um 18:00 mitten in der ligurischen Nationalparkwüste sind und kein Hotel in Sicht, es nieselt leise vor sich hin. Dank Andreas Italienischkenntnissen bekommen wir auf dem Passo die Carpinelli in einem größeren Berghotel Zimmer, ohne Garage, weil für den selben Abend ein BMW Club angemeldet ist, der die Garage für sich gebucht hat. Eine halbe Stunde später füllt sich der Hof mit für ca. 200.000€ BMW. Auch wenn Sie mich technisch nicht überzeugen "guat und gmütlich schau?ns aus". Dieter lässt sich nix anmerken, aber ich habe das Gefühl er denkt gerade über seine letzte Anschaffung nach :-). Heidrun teilt per SMS mit, dass die Wolke in der wir uns befinden bis Deutschland geht. Deshalb trinken wir eine Flasche Wein weniger um am nächsten Morgen fit zu sein.

Ostersonntag:
Die Wolke ist noch da, Ihre Inkontinenz von gestern hat sich über nacht verschlimmert. Schon nach einer Stunde verlangt Andreas nach seinem Regenkombi und zieht ihn über die durchweichten Klamotten... umsonst, der Regen bleibt. Wir beschließen das Notprogramm, dem Garmin die kürzeste Strecke eingeben und ab in Richtung Autobahn. Diese Maßnahme führt uns über die schönsten Strecken in der Gegend, die wir sonst wohl nie entdeckt hätten. Schade drum aber wir haben ja die Tracks aufgezeichnet fürs nächste Brückenwochenende :-). Auf der Autobahn brettern wir in Richtung Norden, Heidruns Wetterbericht verspricht für den nächsten Tag auch Regen. Edgar überredet mich nur bis zum Gardasee, dem nächsten Wegpunkt, zu fahren und nicht gleich nach Hause, danke dafür. Heidrun hat den Wetterbericht für Montag dann kurz darauf korrigiert. Bei Affi runter vor der Autobahn nachdem wir eine Horde Schleifsteinfahrer aus Ulm überholt haben und direkt zu Mc Donalds. Einer der besten Big Mac?s meines Lebens. Dann runter zum See (trotz der Befürchtung wegen der Hotelpreise) und gleich das 3. Hotel direkt am Benaco genommen. Es ist gerade mal 14.00 und der Regen hat aufgehört. Nachdem ich das komplette Zimmer (sehr fein) und das komplette Badezimmer (Fußbodenheizung und Luxuswanne) mit meinen nassen Klamotten dekoriert habe, gehe ich runter in die Lobby. Andy und Bobby sitzen schon beim Bier, ich bestelle Kaffee und überrede die anderen einen Bummel ins Städtchen zu machen um dort einen Kaffee zu trinken. Edgar kommt dazu, ist einverstanden aber bestellt sich erst mal ein Bier. Andrea und Dieter kommen dazu, sind einverstanden aber bestellen sich erst mal ein Bier. Bobby hat kein Bier mehr und bringt dann noch mal für alle. Ich gehe erst mal alleine ins Städtchen, Edgar verspricht mich anzurufen wenn?s los geht. In Bardolino tobt der Bär, die Italiener haben sich fein gemacht und promenieren am Strand. Von wegen katholisch... in dem Outfit kommen die Mädels überall hin nur nicht den Himmel. Die Anderen sind inzwischen in der Pizzeria neben dem Hotel, bei der ich dann ein Traum-Steak bekomme. Wir trinken Bardolino und belegen unseren Tisch eisern, obwohl wohl gut ein Dutzend Essensgäste weggeschickt werden, ich hoffe wir haben?s mit dem Getränkeumsatz wettgemacht. Nachts beim Laden der Garmindaten für den nächsten Tag wird mir klar das es ein Talent der MFU ist, sich für den letzten Tag zu viel vorzunehmen.

Ostermontag:
Strahlender Sonnenschein, See und Berge sehen aus wie frisch geputzt und poliert. Ich will tanken. Edgar schlägt vor, erst mal zur Fähre zu fahren und dann vor Ort zu tanken. Hört sich vernünftig an, deshalb fahren wir erst mal zur Fähre. Die Fähre legt gerade ab und uns wird gesagt wir hätten eine halbe Stunde Zeit. Also erst mal tanken. Als wir nach 15 Minuten wieder kommen, ist die 2. Fähre schon belegt und fährt ohne uns. Dieter fragt, warum ich denn auf dem Weg zur Fähre an allen Tankstellen vorbeigefahren wäre :-p. Mit der dritten Fähre klappt?s dann und wir jagen auf der anderen Seite zum Valvestino hoch, dann den kleinen Pass mit den tausend Galeriekurven rüber zum Lago D?Idro. Kaffee trinken. Der Croce Domini ist zu (war eigentlich klar, aber man kann ja mal fragen), der Maniva wird abgelehnt (versteh überhaupt nicht wieso), ein Stück zurück fahren wir aus Prinzip nicht, also setzen Dieter und Edgar aus im Kopf gespeicherten Reiserouten eine neu Strecke zusammen. Die neue Strecke ist zwar wesentlich länger, aber keiner will über den Brenner und es ist ja erst 1315 Mittags. Über Madonna di Campiglio und den Passo Tonale nach Edolo, wo wir uns kurz verlieren. Mein Garmin behaupt felsenfest das alles falsch ist, Bobby fragt mich wo?s hin geht, ich ruf Dieter an und er sagt mir den nächsten Ort, während Bobby schon mal die Karte zückt. Mit der Ortsangabe Aprica und der Auskunft "wir stehen ein paar Meter weiter presche ich los" das Navi will das ich umdrehe. Nach Aprica sehe ich die Anderen immer noch nicht und halte verunsichert an um noch mal anzurufen. Bobby prescht vorbei. Ich kann Dieter nicht erreichen also hinterher. Bobby steht rechts am Straßenrand, ich presche vorbei, dann warte ich bis auf Andy, damit wir den nicht auch noch irgendwo verlieren und, oder ich nicht so ganz alleine bin. Schließlich haben wir die Anderen dann doch gefunden. Auf dem Bernina wird's Arschkalt, aber die Passstrasse ist ziemlich sauber und es macht einen Heidenspaß hoch zu preschen. Wir fahren nach Susch nach dem mein Navi zugegeben hat das es gar nicht mehr weiß wo es ist, erklärt es sich plötzlich mit der Route einverstanden. Die Zugfahrt von Saglains nach Selfranga mit der rätischen Bahn kannte ich nur vom Hörensagen. Ein absolutes Muß, wenn man es noch nicht kennt. Ist eigentlich so ähnlich wie ein Viehtransport, 5 oder 6 Wagons mit Verbindungsstücken über die man von Wagon zu Wagon fahren kann. Der erste und der letzte Wagon offen zum Rein- und Rausfahren, die restlichen Wagons sehen wirklich aus wie Viehwagons mit etwas größeren Löchern. Motorrad auf dem Seitenständer parkieren. Helm auf, Hand an die Handbremse und gut festhalten. Nach einem mulmigen Gefühl beim Start macht?s richtig Spaß. Dann nach Heidiland zum traditionellen Abendessen, worauf Edgar besteht. Bis ich alles verriegelt habe und den Tankrucksack runter haben die Anderen beschlossen dass wir wegen der späten Stunde doch gleich weiterfahren. Bobby biegt jetzt ab Richtung Schwarzwald. Als ich wieder los will stelle ich fest, dass mein Tankrucksack offen ist. Erst mal alles einsammeln und dann... Wir treffen uns ein letztes mal an der Raststätte Illertal zum verabschieden. Auf den letzten 60 Kilometern arbeite ich noch mal kräftig an der Durchschnittsgeschwindigkeit und bin dann so um 2200 zu Hause.

Noch ein paar Fakten:
Gefahren sind wir 1737 km, ich ein paar mehr. Die reine Fahrzeit dafür waren 21h 32 Minuten auf dem Moped. Dank Yamaha San tat mir bis zum Schluß der Hintern nicht weh.

Grüße von der Ostalb
Rolf

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