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Oktobär 02 - 28.9.-6.10. 2002
- Berichte_Struktur:
Von: Thomas
Datum: 20.10. 2002 15:52:28
Hi Leute,
hier nun mein Bericht von der besten Tour aller Zeiten! Kleinere
Fehler oder Gedächtnislücken bitte ich zu entschuldigen :-)
Vorbemerkung:
Erstmals wurde eine Tour so geplant und durchgeführt, dass alle
unabhängig von ihrem Fahrtempo (glaube ich) auf ihre Kosten gekommen
sind. Kein Stress für die Langsameren und trotzdem interessante
Routen für die Schnelleren - so muss es sein! Traumhaftes Wetter (bis
auf den letzten Tag), fantastische Landschaften und die wie immer
tolle Kameradschaft taten ein übriges.
Mein Dank gilt daher allen Teilnehmern, insbesondere aber den Planern
und denen, die sich auch mal als "Schlepper" und "Linienvorfahrer"
für die Unerfahreneren betätigt haben. Ich habe dabei wieder einiges
gelernt.
Um die 16-kB-Grenze nicht zu überschreiten, hier das Tagebuch in
Stichworten (alle Streckenangaben nur für meine Route):
1.Tag: Samstag, 28.9.02
Ulm - Bregenz - Chur - Tiefencastel - Albulapass - St. Moritz -
Berninapass - Livigno: ca. 320 km
Nettes Sporthotel, durchschnittliches Menu, getrennte Abrechnung (!).
Draussen sieht's schon ziemlich kalt aus.
2. Tag: Sonntag, 29.9.02
Draussen ist es _sehr_ kalt, auf jeden Fall unter Null, was sich in
vereinzelten Flüchen und Eisplatten äussert. Bis alle getankt und
Zigaretten geholt haben, sind manche schon sichttechnisch
eingefroren.
Livigno - Berninapass - St. Moritz - Malojapass - Lugano (warm!) -
Locarno (im Tunnel sehr warm) - Druogno: ca. 260 km.
Auf der "schnellen" Route hat sich Matte abgelegt, Gottseidank nur
Materialschaden. Wegen der entstandenen Zeitverzögerung stoppen wir
schon weit vor Sion, wo eigentlich Tagesziel war. Sabine und Werner
kommen uns seltsamerweise aus Brig entgegen. Im Hotel findet eine
italienische Hochzeit statt, was sehr unterhaltsam ist und ein wenig
über das magere Menü hinweghilft. Getrennte Rechnung nach dem Motto:
Wer zuletzt zahlt, zahlt am wenigsten ;-)
3. Tag: Montag, 30.9.02
Wir müssen aufholen und Mt. Cenis erreichen, wo bereits Zimmer und
Käsefondue bestellt sind. Also:
Druogno - Domodossola - Simplonpass - Brig - Martigny - Chamonix - Mt-
Blanc-Tunnel (Euro 16,50) - Kleiner St. Bernhard - Val d'Isere - Col
d'Iseran - Lanslebourg - Col Mt. Cenis: ca. 390 km.
Kurz vor dem Mont-Blanc-Tunnel schmeisst Andrea die Deauville (im
Stand) um. Das dadurch entstandene Streifenmuster auf dem Koffer
findet sie nicht toll - aber dazu später mehr.
Für den Iseran kann ich mich auch diesmal nicht erwärmen mangels
Vertrauen in den Strassenbelag. Wenn ich den anderen zusehe, ist das
zwar nur Einbildung, aber trotzdem...
Das Hotel wird nach längerer Suche dann doch unterhalb (!) des
Stausees gefunden. Aufgrund der Gefährdungslage wird hier
offensichtlich nicht mehr in die Gebäudeerhaltung investiert. Aber
das Käsefondue ist vom allerfeinsten, und manche bestellen sogar noch
einen zweiten Topf (ts, ts). Schade für Jochen, der erst gegen 22 Uhr
eintrifft, weil die Schweiz so groß ist und er die Karte zuhause
vergessen hat. Da er das Hotel bei Nacht mangels Beleuchtung kaum
gefunden hätte, muss einer (ich habe den Namen vergessen) im T-Shirt
aufs Mopped und ihn bei Null Grad aufsammeln.
Da die Zimmer so ... sind, will keiner ins Bett. Die Schnapsflasche
bleibt trotzdem ungeleert, weil untrinkbar. Jochen ist müde.
Morgends ein wenig Theater um die Abrechnung, was aber dank Eric
irgendwie geregelt wird. Danach schließt das Hotel wegen Erreichen
des Umsatzziels für 2002. 16 MFUler sind sehr hungrig und durstig
gewesen.
4. Tag: Dienstag, 01.10.02
Mt. Cenis - Susa - Montgenevre - Briancon - Col d'Izoard - Col de
Vars - Col de la Cayolle - Guillaumes - Castellane: ca. 300 km.
Wohl der abwechslungsreichste Tag, sowohl von den landschaftlichen
Eindrücken als auch von den Strassen her. Ich lerne, dass man auch in
Frankreich nicht zwingend an roten Ampeln anhalten muss. Robert muss
Daytona fahren, weil da irgendwas klappert (und ich dachte, das sei
normal).
René wirft sein Mopped am Izoard auf einer Ölspur weg. Auch er bleibt
glücklicherweise so gut wie unverletzt, muss aber die Tour abbrechen.
Im Hotel angekommen merkt sich jeder die Anzahl seiner Biere - man
ist ja lernfähig. Das Klasse-Menü wird nicht von jedermann bestellt,
da offenbar der Wein in der benachbarten Snackbar _viel_ billiger
ist, was bei manchem zu erhöhtem Konsum und mittelschweren
Ausfallerscheinungen führt. Ich lerne, dass man sogar in einem Zimmer
mit Eddie schlafen kann, wenn nur eine Trennwand mit Tür dazwischen
liegt.
5. Tag: Mittwoch, 02.10.02
Castellane - Grand Canyon de Verdon - Guillaumes - Valberg - Col St.
Martin - Col de Turini - Sospel: ca. 230 km.
Mein Vorurteil über Franzosen wird vom Wirt unerfreulicherweise
bestätigt, vor allem als sich herausstellt, dass der Kerl fliessend
Deutsch spricht. Aber wir wollen ja sowieso weiter.
Der berühmte Grand Canyon bleibt uns wegen Strassenbauarbeiten leider
verborgen. Dafür finde ich heute meinen Lieblingspass: den Turini!
Nicht mal der entgegenkommende Langholzlaster kann mir den Spass
verderben.
Das Personal im Hotel in Sospel ist zwar genauso freundlich wie der
Wirt in Castellane, dafür haben wir (Eddie und ich) ein Zimmer mit
Dachterrasse, die dann auch bis morgens um 3 Uhr von einigen
Gestalten (Namen habe ich vergessen) genutzt wird. Leider hat das
Zimmer keine Trennwand.
6. Tag: Donnerstag, 03.10.02
Sospel - Menton - Sospel: ca. 40 km.
Während sich Robert und Susanne Richtung Korsika verabschieden,
machen die meisten anderen irgendwelche kleinen Touren durchs Umland.
Eddie und ich fühlen uns nicht sooo gut und beschließen, lieber zu
Fuß die Altstadt zu erkunden. Dieter schläft noch.
Am Nachmittag überkommt mich der dringende Wunsch, wenigstens ein Mal
ans Mittelmeer zu fahren. Die 40 km sind aber auch mehr als genug. In
der Zwischenzeit muss Dieter aufstehen, weil sich Andrea vor ein Auto
geschmissen hat. Weil ihr die Deauville dabei ins Kreuz fällt, tut
ihr dieses natürlich ziemlich weh, sonst ist aber nur Materialschaden
zu beklagen. Das Muster auf den Koffern ist jetzt allerdings viel
hübscher!
Das allabendliche Gelage fällt diesmal eher spärlich aus, was uns der
Wirt in der Pizzeria wahrscheinlich dankt (am Abend vorher machte er
dauernd komische Gesten und murmelte was von "kuschee"). Dank Oropax
kann ich sogar schlafen ;-)
7. Tag: Freitag, 04.10.02
Sospel - Col de Tende - Cuneo - Valle Varaita - Col d'Agnel - Col
d'Izoard - Mt. Cenis - Lanslebourg: ca. 330 km.
Andrea ist schon weg, fährt mit dem Zug über Paris nach Hause.
Vorsichtshalber nimmt sie sämtliche Scheck- und Kreditkarten sowie
das meiste Bargeld mit, so dass Dieter fortan ziemlich sparsam lebt.
Micha und Jochen verabschieden sich ebenfalls Richtung Korsika. Sie
erleben nicht mehr die Wunderheilung einer Hayabusa-
Scheinwerferlampe, die sich allen Austauschversuchen standhaft
widersetzt, um dann einige Stunden später einfach wieder zu
funktionieren.
Auf dem Col d'Agnel treffen wir Helmuth, der (aus Deutschland
kommend) noch ziemlich durchgefroren ist nach der Nacht im Zelt in
1400 m Höhe. Respekt, Helmuth, du musst uns ziemlich lieb haben!
In Lanslebourg endlich das Wiedersehen mit der netten Wirtin vom
letzten Jahr und natürlich mit dem Käsefondue, diesmal in ausreichend
dimensionierten Töpfen. Sie freut sich so über uns, dass sie uns als
Nachtisch eine Mega-Eisbombe serviert! Obwohl wir 9 Personen uns alle
Mühe geben, schaffen wir es nicht, alles aufzuessen.
8. Tag: Samstag, 05.10.02
Lanslebourg - St. Michel - Chambre - Col de la Madeleine -
Albertville - Chamonix - Martigny - Brig - Blitzingen: ca. 370 km.
Edgar schlägt vor, über Italiens Autostradas direkt nach hause zu
fahren. Irgendjemand (ich habe noch nicht herausgefunden, wer) ist
dagegen und so fahren wir halt den langen Weg.
Die Truppe reduziert sich: Sabine und Werner fahren lieber Pässe (!),
Eric biegt nach Genf ab, Bobby und Olga müssen heim, da Olga
anscheinend nur im Keller gesund bleibt. Wir restlichen vier
Musketiere (Edgar, Dieter, Helmuth und ich) beratschlagen kurz vor
Martigny (bei immer noch traumhaftem Wetter!) nochmals darüber, den
direkten Weg nach D zu nehmen, entscheiden uns jedoch abermals
dagegen. Endstation des Tages ist dann eine nette kleine Pension in
Blitzingen, kurz vor dem Furkapass, was sich noch als fataler Fehler
erweisen sollte.
Während der Plünderung sämtlicher Bier-, Wein und Zigarettenvorräte
(naja, viel war's nicht) wird _endlich_ der Wetterbericht abgerufen:
Dauerregen und Schnee ab 1900 Meter!! Schnell die Karte studiert: der
Furka ist knapp 2500 m hoch :-((
9. Tag: Sonntag, 06.10.02
Blitzingen - Furkapass - Oberalppass - Chur - Bregenz - Ulm:
ca. 390 km
Der Wetterbericht hatte recht. Wir lassen uns viel Zeit beim besten
Frühstück der ganzen Tour, aber es hilft ja nix - also rein in die
Regenkombi.
Es war zwar nicht lustig, aber auch nicht so schlimm, wie ich mir es
vorgestellt hatte. Ein wenig Schneetreiben am Furka, eine längere
Pause im Heidiland, etwas Verloren-Gefunden spielen (nächstes Jahr unbedingt mit Freisprecheinrichtung fahren - oder lieber doch nicht?), ein Mega-Stau in Bregenz (wo ich dann endgültig den Anschluss an die anderen verlor), noch ein Mega-Stau auf der A7 und ein bischen in-der-Irre-fahren auf der Landstrasse, und schon war ich daheim.
Fazit:
- geniale Tour mit überwiegend tollen Strecken
- tolle Kameradschaft mit ganz wenig Stress
- die Hotelsuche war überhaupt kein Problem
- leider drei Totalausfälle, aber nur Material
- wer hat behauptet, Moppedfahren sei billig?
Ich freu' mich schon aufs nächste Mal!
Gruss Thomas
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