- 2010
- 2009
- 2008
- 2007
- 2006
- 2005
- 2004
- 2003
- 2002
- 2001
- 'Luscht'-Tour
- Also - gut! - B
- Also - gut!
- EV GSN 01
- EV Gambas
- EV Gambas-B
- EV TKT Fete
- Frontour - B
- Frontour
- Jahresrückblick
- Jungfernfahrt - B
- Jungfernfahrt
- KickOffTour
- KickOffTour-B
- KickOffTour-C
- Mai-Tour 01 - B
- Mai-Tour 01
- Neunertour
- Nikolausi
- Nikolausi-B
- Oktobär 01 - B
- Oktobär 01 - C
- Oktobär 01
- Ostern 01 - B
- Ostern 01 - C
- Ostern 01
- PKS I - B
- PKS I - C
- PKS I - D
- PKS I
- PKS II - B
- PKS II
- Pfingsttour - B
- Pfingsttour
- Presse 31.08.2001
- SAT/WT Lech/EH
- SAT/WT Lech/EH-B
- SAT/WT Lech/EH-C
- SAT/WT Lech/EH-D
- SAT/WT Lech/EH-E
- SHT I
- ST Baßgeige
- ST Bludenz
- ST Lechtal
- Tortellinitour
- Tortellinitour-B
- WT EH
- WT Frankreich
- WT Slowenien
- 2000
Fronleichnamstour - 14.-17.6. 2001
- Berichte_Struktur:
Von: Sebastian
Datum: 18.6. 2001 00:21:17
Uiuiuiu, das war ein Wochenende...
Samstag früh (0700) Abfahrt Ulm, ereignislose Fahrt über Füssen, Fernpaß, Landeck, Reschenpass, Schlanders, Gambenjoch zu Mama Eichhörnchen. Diese kam schon strahlend aus dem Haus gelaufen, als ich im dritten Anlauf die passende Straße gefunden habe.
Ob ich einer von den deutschen Motorradfahrern sei? Ja. Wie viele kommen den nun - ich muß doch noch die Zimmer richten?. Tja, Dieter und Andrea waren meines wissens wieder in Ulm, blieben noch Robert, Susanne, Sandra, Edgar und meine Wenigkeit. Macht ein Zimmer für Robert und Susanne, eines für Sandra, eines für Edgar, und eines für mich.
Andererseits, ein Mädel, deren einjährige Fahrpraxis von älteren MFU-Hasen (männlichen Geschlechts) so hoch gelobt wurde, und die einen doch recht wohlhabenden Vater hat, wäre ein näheres Kennenlernen sicher wert, oder? Also flugs Frau Eichhörnchen mitgeteilt: eigentlich würden auch vier Zimmer reichen, nicht wahr? ;-))) Nachdem von Edgar und Susanne kurzfristig nix zu hören war, Mopped abgeladen, Frau Eichhörnchen Zimmer machen lassen und noch mal 'ne kurze Runde in Angriff genommen: zweimal Mendelpaß, zurück nach Fondo, und dann drei viertels rund um den Lago di S.Giustina (gegen den Uhrzeigersinn). Zwischenstop in Cles: Eis essen und Kaffe kaufen. Dabei auch noch von Susanne erfahren, daß die Bande mittlerweile ebenfalls im E. eingetroffen ist. Also auf gehts, zurück zu Mama Eichhörnchen.
Dort angekommen erst mal großes Hallo, Dieter und Andrea sind ja auch da! Mit Edgars Zweitmopped, der Deauville. Na das wird ein lustiger Abend. Sandra kennengelernt: doch, die hast Du Dir fast genauso vorgestellt.
Jetzt folgt der anstrengende Teil: Abendessen. Nicht nur die Menge (Edgar und Dieter haben wohlweislich alles für alle bestellt: Suppe, Pasta, Braten und Salat. Kurze Diskussion, ob roter Salat bitter oder lecker ist, an sonsten aber gefräßige Stille an unserem Tisch. Am Nachbartisch saßen vier Öcher. Das ist die dortige Aussprache dessen, was wir hierzulande Aachener (also Norddeutsche, da nördlich von Stuttgart) nennen. Alle miteinander schon gut auf Pegel, müssen nach zwei Tagen Motorradfahren erstmal einen Tag pause machen. Na wenn sie meinen, aber bitte. Nachdem ihre lautstarken und respektlosenn Äußerungenen Roberts Limit überschritten haben, gab's eine kurze, aber sehr wirkungsvolle Zurechtweisung. Klasse. Dieter hat ja auch schon die ganze Zeit gewollt, aber er hat nicht gedurft.
Überrascht, wie ruhig es auf einmal war, kehrte auch bei uns am Tisch die Geselligkeit ein. Mit freundlicher Unterstützung von Frau Eichhörnchen und Tochter und unzähligen Flaschen Wasser und Wein, wobei im Endeffekt der Wein vermutlich doch in der Überzahl war. Dazu aber gleich mehr.
So nach und nach lichtete sich der Raum - nicht nur an anderen Tischen, auch bei uns nahm die Bevolkerungsdichte ab. Irgendwann saßen nur noch Dieter, Edgar, Sandra und meinereiner am Tisch. Frau Eichhörnchen verabschiedete sich dann auch, nicht aber ohne noch ein paar weitere Flaschen Wein bereitzustellen.
Jetzt war es für Dieter an der Zeit, den großen Knaller platzen zu lassen: Ich solle doch jetzt endlich meine Bemühungen um Sandra beginnen, es wüßten schließlich sowieso alle Bescheid (außer Robert) und der Abend werde schließlich auch immer kürzer.
Meine erste Reaktion: Dumm stellen, erklären lassen.
Meine zweite Reaktion: Alles auf Frau Eichhörnchen schieben, diese alte Klatschtante.
Meine dritte Reaktion: Das Schicksal akzeptieren und gestehen ;-)
Sandra blieb diplomatisch und verkniff sich bissige Kommentare - zumindest während ich dabei war. Sie scheint sich aber auch sonst zurückgehalten zu habe, denn Dieter und Edgar ließen es sich nicht nehmen, mich immer weiter anzustacheln. Zu allem Übel hatten die beiden ja gar nicht so unrecht: Fnaqen vfg rva gbyyrf Zäqry.
Dazu dann technische Disksussionen über Fahrphysik im allgemeinen und im Speziellen. Mir stehen in dieser Hinschicht anscheinend noch einige Lektionen an: Physik soll nicht gleich Physik sein, sie soll vom Motorrad abhängen. Find ich komisch: die Fliehkraft funktioniert doch immer nach dem selben Prinzip, nur wie der Fahrer sich deren Auswirkungen zu Nutze macht, bzw. machen kann, hängt von dem verwendeten Fahrzeug ab. So verging die Zeit mit Ansagen, was Robert's Töchtling alles kann und was nicht, aber die Betreffende selbst wurde nicht gefragt. Sie versucht zwar immer wieder, mich zu zügeln, aber eines hab ich gelernt: Wenn Dieter und Edgar behaupten, ein siebzehnjähriges Mädel fahre absolut angstfrei, immer am Maximum und wie ein domestizierter Allesfresser, dann muß das irgendwo herkommen.
Irgendwann fing Edgar dann an, sich über die gesammelten Eisvorräte des Hauses herzumachen. Was der kann, können wir schon lange, und einer nach dem anderen tat ihm gleich. So schrumpften nicht nur die Wein- sonder auch die Eisvorräte bedenklich. Dieter wollte eigentlich noch ein Eis zum Löffeln, konnte aber nirgends ein geeignetes Schaufelwerkzeug finden und begnügte sich dann auch mit Eis am Stiel.
So langsam schwanden unsere Kräfte und in gleichem Maß kamen die Kräfte der Natur zurück. Es graute. Der Natur der Morgen, uns vor der für den Morgen angesetzten Fahrt. So beschlossen wir dann so gegen halb sechs, uns doch noch zur Ruhe zu legen.
Dieter gab die Hoffnung nicht auf, doch etwas erreicht zu haben, und wartete unter der Treppe versteckt, auf verdächtige Geräusche von Sandra und/oder mir. Naja - ich sage artig 'Gute Nacht', da tönt es von unten einen siegesgewissen Triumpfschrei. Aha, wir werden belauscht!
Kurzes, aber freundliches Wortgefecht, Ergebnis: Dieter bleibt. Irgendwann zieht er dann aber doch von dannen. Sandra und meinereiner begeben sich ebenfalls (getrennt!) auf unsere Zimmer. Da kracht's: Robert steht in der Tür und spricht erneut ein Machtwort. Jetzt reiche es...
Daraufhin kehrt Ruhe ein in die beschauliche Pension zwischen Gamben- und Mendelpaß...
KRACH - KRACH - KRACH - KRACH - KRACH --- AAAUUUFFFFSSSTTEEEHHEEENNN!!!
Panik - hast Du verschlafen und alle anderen warten auf Dich???
KRACH - KRACH - KRACH - KRACH - KRACH --- AAAUUUFFFFSSSTTEEEHHEEENNN!!!
Nein, Glück gehabt: Robert lärmt an der nächsten Tür weiter...
Jetzt gehen die Probleme erst richtig los: Körperpflege ist angesagt. Aber wo bitte ist denn die Dusche. Du hast doch eben jemanden planschen gehört. Also Handtuch und Shampoo geschnappt und raus auf den Flur. Da steht ein noch feuchter Robert.
"Du Robert, wo ist denn hier die Dusche?"
Verständnislose Blicke: "Wie, Du hast keine? Dann frag doch die Wirtin!"
Susanne kann es ebenfalls nicht fassen, zeigt sich aber typisch weiblich: praktisch veranlagt und von mütterlichen Instinkten geleitet, nimmt sich mich in's Schlepp - und füht mich zu dem heiligen Ort der körperlichen Reinigung: Er befindet sich hinter einer absolut unauffälligen Tür in meinem Zimmer... Sorry, aber solchen Luxus bin ich nicht gewöhnt, außerdem ist es erst -- uuups -- schon fast zehn!
Eine gute Viertelstunde später präsentiert sich ein restalkololisierter, aber sauberer Sebastian der Öffentlichkeit. Edgar frühstückt noch, na da leisten wir ihm doch mal Gesellschaft. Kurz darauf kommt auch Dieter nach unten - mit einem dem meinigen nicht unähnlichen Gesichtsausdruck. Und hell ist es draußen! Eitel Sonnenschein, 20 oder mehr Grad. Sandra schaut noch einmal rein, um Kaffee nachzuholen. Frau Eichhörnchen ist auch da: zur Gesichtskontrolle. Ohen Sonnenbrille besteht sie, sogar mit bravour. Dieter und ich ernten nur einen etwas schälen, im Unterton aber amüsierten, mitleidigen Blick.
Irgendwann gegen elf geht's dann doch los. Timmelsjoch ist immer noch zu, die Italiener haben keinen Bock drauf, den Schee für umsonst wegzuräumen, wo die Ösies doch mittlerweile auch für diesen Pass eine Maut verlangen.
Der Vormittag ist für mich bitter. Nicht nur, daß die Anwohner in der nacht scheinbar heimlich die Straßen schmaler gemacht haben, sie haben auch noch so ein verwirrendes Zebramuster daraufgemalt (für Leute mit klarem Kopf: die Sonne stand schon ziemlich hoch und warf durch die Bäume ein interessantes Schattenmuster auf die Straße). Kurzum: keine Kurve klappte so, wie ich es am Nachmittag zuvor geübt hatte. Dies einsehend, winkte ich alle anderen vorbei und fing geistig noch einmal bei Lektion eins an.
Rechts drehen macht schneller (huaaaa, geht das ab), rechts ziehen oder treten macht langsamer (puuh, glück gehabt). Links ziehen und links treten macht den Motor bei gleicher Geschwindigkeit lauter oder leiser. Manchmal sinkt aber auch die Geschwindigkeit und es kracht ganz laut und rasselt wie blöde, obwohl es eigentlich leiser werden sollte. Ist wohl eine Fehlkonstruktion. Wenn man am Lenker dreht, fährt das Motorrad in die entgegengesetzte Richtung. Soweit die Theorie. In Wahrheit macht dieses Biest aber Schlangenlinien mit einem leichten Trend in eine bestimmte Richtung, aber wieso denn bitte in die Richtung, in die ich drehe? Ach so - Du rollst mit Schrittgeschwindigkeit durch die Kehre. Und so kommt es, daß sechs Leute regelmäßig Zigarettenpausen machen und Wetten abschließen, wie lange ich noch brauche. Bei Sandra bin ich mit dieser Leistung wahrscheinlich für immer unten durch. :-(((
Aber die Landschaft ist bezaubernd schön, und das schafft zumindest auf einer anderen geistigen ein gewisses Wohlbefinden.
Endlich die Erlösung: Mittagessen. Weiße, gelbe und grüne Knödel. Und darüber jede Menge flüssiger Butter und Parmesan. Ist aber gar nicht so übel. Danach noch einen Espresso.
Der hilft. Weg mit der Sonnenbrille, her mit den neuen, sicheren Handschuhen und auf gehts. Auf einmal passt (fast) alles. Ich finde wieder halbwegs passende Linien. Susanne schwächelt und ich feiere meinen ersten Triumpf: später begründet sie ihr reduziertes Tempo mit schönen Wasserfällen. Ist mir wurst, ich war schneller.
Sandra fährt wie beschrieben, und ich gebe mir heimlich recht. Robert und Edgar fahren zu sehen, beflügelt scheinbar nicht nur meine Phantasie. Dieter und Andrea hingegen sind - sofern in meinem Blickfeld - ein besserer Lehrer. Sie fahren ja auch mit einer geliehenen Maschine, und entsprechend etwas vorsichtiger (Okay, vielleicht liegt's auch an der mangelden Bodenfreiheit des Minitourers).
So langsam komme ich auf den Geschmack, traue mich jede Kurve ein bischen mehr und irgendwann bin ich direkt hinter Edgar und Dieter. Begeisterung.
Dann mein zweiter Triumpf: Lange Linkskurve, Edgar zögert einen Tick zu lange und wuuuusch, bin ich vorbei. Später meint Edgar, ich wäre leichtsinnig gewesen. Vielleicht hatte er recht, aber aus meiner Perspektive passte es. Es war so, wie ich mir wünsche, immer fahren zu können: Ich kam, sah, und fuhr ganz fix dran vorbei.
Schade - das war's: wir sind in Österreich. Nicht nur, daß das Wetter schlechter wird, gleich nach der Grenze ging's los: überall Kontrollen, und zum Teil richtig hinterhältig.
Ein Bild zum Heulen: in einer kleinen Ortschaft entlang der alten Brennerstraße ein Parkplatz voller Gendarmen und gestoppten Motorradfahrern. Clevererweise so eingerichtet, daß eine Bank mit EC-Geldautomaten in zu Fuß erreichbarer Nähe liegt. Und von dort kommt mit hängenden Lefzen ein Moppedfahrer zurückgetrottet: mit einem dicken Batzen Geld in der Hand :´-(
Die vielbefahrene Straße verlassend, schlagen wir und durch das Hinterland, Robert und Dieter (mit Andrea hintendrauf) werden mutig und erhöhen das Tempo auf 10+ über vorgeschriebenem Limit. Egal, ich tu langsam. Das Feld zieht sich, die Orte werden kleiner, die Straßen dazwischen immer besser und länger. Ich ertappe mich, kurzzeitig auch mal etwas schneller zu fahren und spiele ein bischen mit der Vorderradbremse. Mal schauen, wie sich ein blockierendes Vorderrad bemerkbar macht: aha, so geht das, PochPochPoch.
Irgendwann kommt die Ausschilderung Fernpaß und der Regen. Bis auf die 2+1 Ausreißer sammelt sich das Feld wieder. Tankpause. Weiter fahren. Fernpaß, Treffen mit dem Rest, noch einmal stärken.
Dann bis Deutschland keine weiteren Ereignisse. In Deutschland dann gegenseitige Verabschiedung. Ein paar Kilometer geht's aber noch gemeinsamer Wege. Hinter einem Bahnübergang liegt dann ein Mopped im Dreck. Gottseidank keiner von den unseren. Dem Fahrer ich nich wirklich was passiert, beim Mopped sind wir uns nicht ganz so sicher. Dieter prognostiziert Totalschaden, Edgar hofft, daß der Rahmen nix abbekommen hat. Ob er denn alleine unterwegs gewesen sei, wird der Unglücksrabe gefragt. Nein, da gehören noch dreie dazu, die sind aber schon Richtung Ulm unterwegs. Okay, Dieter und Edgar versprechen, sich auf die Suche nach den Kumpanen zu machen und erhöhen die VauQuer um einige Studenkilometer. Wie sich herausstellen soll, leider erfolglos. Der Rest verteilt sich auf verschiedene Heimwege. Ich erhasche noch sowas wie: Treffen uns nochmal auf dem letzten Parkplatz vor ???.
Autobahn. Regenschauer. Kräftiger Regenschauer. Idioten vor mir. Was solls. Ich will nach Hause. Ohne ADAC. Das Wetter wird wieder besser,die Idioten lösen sich langsam auch auf. Je näher ich Ulm komme, destso genauer sehe ich mir die Parkplätze an. Tatsache - da stehen sie. Anker werfen, Parkplatz von Hinten entern (pfui, das macht man aber doch nicht...). Wurscht, jetzt wird endgültig verabschiedet. Edgar will nur noch Badewanne, Andrea und Dieter müssen für kleine Kinder und meinereiner hat so langsam auch die Schnauze voll. Nix wie weg und nach Hause.
Kurze Zeit später dann Ankunft Schlößlesgasse. Es ist viertel nach acht. Mopped abladen, nochmal volltanken, ab in die Garage. Ich unter die Dusche. Danach bequeme Klamotten an, Tankquittungen raus und zusammengerechnet.
Ergebnis: 950km, 6,5l/100km.
Was diese Zahlen nicht verraten, ist, wieviel Spaß diese Tour gemacht hat. Das hat sich wirklich gelohnt. Und gelernt hab ich sicherlich auch das ein- oder andere.
Mit diesem Fazit verabschiede ich mich in einen vermutlich traumlosen, aber auf jeden Fall wieder zu kurzen Schlaf. Gute Nacht zusammen.
Sebastian
- 1994 Aufrufe
