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Oktobär-Tour 01 - 29.9.-7.10. 2001
- Berichte_Struktur:
Von: Thomas
Datum: 5.10. 2001 12:18:05
Hi,
hier nun mein total subjektiver Bericht zur Oktobaer-Tour 2001.
Prolog 1
Seit meinem Unfall an Pfingsten sitze ich am 22.09. zum ersten mal wieder auf dem Motorrad. Fühlt sich irgendwie komisch an. So wacklig, kipplig. Hat das Fahrwerk vielleicht doch irgendwas abbekommen? Nach einigen Kilometern wird mir klar, die Maschine ist ok, aber ich fahre wie ein Kleinkind, das gerade Fahrradfahren gelernt hat. Trotzdem oder gerade deshalb beschließe ich, die Tour mitzufahren. Ich will herausfinden, ob mir das Mopedfahren überhaupt noch taugt.
Prolog 2
Ich gebe vor mir selbst zu, dass ich ein Weichei bin, und bestelle per Express einen Satz Heizgriffe. Schließlich wollen wir bis auf knapp 3000 Meter Höhe fahren, und da soll es kalt sein. Am Freitag vor der Abfahrt noch schnell die Griffe montieren. Sebastian ist wie immer sehr hilfsbereit und trifft gegen 16.00 bei mir ein. Leider hat er genausoviel Erfahrung mit Heizgriffen wie ich, aber da müssen wir durch. Um 19.30 fahren wir zu Louis und kaufen noch einen Satz Heizgriffe, da die ersten leider nicht mehr verwendbar sind. Um 22.00 sind wir dann endlich fertig und um einige Erfahrungen reicher.
Samstag, 29.09.01
Auf der halbstündigen Fahrt nach Ulm habe ich warme Hände. Vom Treffpunkt McD begeben wir (Andrea, Dieter, Edgar, Rainer, Sebastian und ich) uns auf die A7 Richtung Kempten. Die Dosenbahn ist leider total voll, Marschgeschwindigkeit 100-120 km/h (jedenfalls für die, die nicht rechts überholen). Am Oberjoch angekommen will Dieter auch Heizgriffe haben.
Nach kurzer Wartezeit treffen Susanne, Robert, Micha und Matthias ein, letzterer mit schnell organisiertem neuem Vorderreifen.
Die Sonne scheint, und wir gondeln über Gaichtpass, Hahntennjoch und Imst zur Pillerhöhe, wobei ich das Feld vor mir her jage. Dort opulentes Mittagessen und die allgemeine Feststellung, dass das Hahntennjoch diesmal ziemlich rutschig war. Habe ich gar nicht bemerkt - vielleicht sollte ich mal in Schräglage um die Kurven fahren?
Über den Reschen geht es dann zum Stilfser Joch, das laut Robert angeblich nur bei Regen _wirklich_ schlimm ist. Kurz vor dem Pass beginnt es dann natürlich zu regnen. Irgendwie schaffe ich es bis oben und bin überhaupt nicht stolz darauf, sondern finde mich ziemlich dämlich, dass ich in meinem Alter noch so einen Blödsinn mitmache.
Mittlerweile habe ich festgestellt, dass
- ich es kaum schaffe, mit Andrea mitzuhalten, geschweige denn sie zu überholen, denn auf den Geraden gibt sie mächtig Stoff
- ich die längste Fahrtzeit mit den kürzesten Pausen kombiniere, was mich irgendwie ans Skilaufen erinnert: Kaum ist der Letzte da, fährt der Erste weiter
- ich die Hayabusa-Bandit-Daytona-Gruppe nur in den Pausen zu Gesicht bekomme.
Bei der Abfahrt vom Stilfser Joch finde ich trotz 3 Capuccino keinen Grip. Als mich ein 80er Moped überholt, brauche ich dringend eine Pinkelpause. Kurz darauf kommt mich Dieter suchen. Er findet das, glaube ich, nicht lustig. Trotzdem danke!
Über die letzten Kilometer im Nebel nach Livigno sage ich nichts mehr. Ich möchte mein Motorrad in den Graben schmeissen und nach hause fahren. Wenigstens habe ich warme Hände.
Sonntag, 30.09.2001
Bei 7 Grad und Regen geht es los. Ich höre noch, wie Robert den Treffpunkt Tirano erklärt. Irgendwie hat er es sich unterwegs anders überlegt, und so kommen alle ausser Edgar, Matthias und mir in den Genuss einer langen Pause kurz vor St. Moritz. Ich habe immerhin Zeit, meine Regenkombi anzulegen. Wenigstens habe ich warme Hände.
Der Malojapass Richtung Comer See ist bei Trockenheit geil, sagt Edgar. Kann ich leider nicht beurteilen. Als wir den See erreichen, blinzelt die Sonne durch die Wolken. Ich beschließe, hierzubleiben.
Nach dem Mittagessen fahren wir gemeinsam los Richtung Lugano. Nach ca. 500 Metern sehe ich keinen mehr, der Italien-Mod will bei mir nicht funktionieren. Sebastian ist wenigstens bei mir, und kurz vor Lugano holen wir die anderen ein, denen die Pausen allmählich zu lange werden. Während der Durchfahrt durch Lugano verlieren wir uns mehrmals, was sich später in Locarno wiederholt. Alleine würde ich wahrscheinlich heute noch im Kreis fahren.
Einer sehr schönen Fahrt nach Domodossola folgt dann noch ein Capuccino in Gondo, der Simplonpass (das ist ein Pass nach meinem Geschmack, wie 'ne Autobahn!) und das Treffen in Brig (CH) bei McD mit Helmuth. Die anderen sind erst seit etwa 2 Stunden da.
Leider ist Visp, wo wir übernachten, an diesem Abend geschlossen, so dass wir nach einem (!) Bier ins Bett gehen.
Montag, 01.10.2001
Ich verstehe nicht, warum man Sebastian damit aufzieht, dass er zwei Koffer, ein Topcase und eine 50 Liter Gepäckrolle mitführt. Immerhin hat er einen kompletten Gabel/Ringschlüsselsatz dabei sowie reichlich Marschverpflegung, was ich beides auch gerne in Anspruch nehme.
Der Vignettenumsatz in Visp steigt dramatisch an, und wir nehmen die Autobahn bis Martigny. Am Fuss des Gr. St. Bernhard lasse ich den anderen einen Vorsprung, man weiß ja, was sich gehört. Irgendwann bin ich aber auch oben, die Zeit reicht sogar für einen Capuccino. Gottseidank ist die Passabfahrt gesperrt, so dass wir den Tunnel ins Aostatal nehmen dürfen. Da ich vor dem Bernardino als einziger nicht tanke, darf ich endlich mal sehen, wie eine Hayabusa/Daytona/Bandit die Kehren fährt. Leider nur für wenige Sekunden.
Nach dem Bernardino sind wir endlich in Frankreich. Leider gibt es in diesem Land nichts zu essen, nur in Val d'Isere hat _eine_ Kneipe offen. Dummerweise sind von vier angebotenen Gerichten nur noch zwei lieferbar, und ich mag nun mal keinen Fisch. Also hungrig weiter auf den Col de l'Iseran. Da Robert irgendwas von Rollsplitt erzählt hat, lasse ich es gemütlich angehen. Später klärt man mich auf, dass die Strasse Grip ohne Ende hatte. Aber ich habe wenigstens die grandiose Landschaft bemerkt.
Ungefähr jetzt überlege ich, mir eine Goldwing zu kaufen. Dann hätte ich wenigstens eine brauchbare Ausrede. Oder ich höre einfach weg, wenn Robert was über Streckenbeschaffenheiten erzählt.
Über den Abend in Lanslebourg möchte ich lieber nichts schreiben, um niemanden zu belasten. Ich weiß nur, dass in einem Bierfass zu wenig drin ist. Das Käsefondue war klasse, auch wenn der Kampf um die beiden Töpfe beinahe skurrile Züge annahm. Sebastian und Robert setzten sich aufgrund ihrer körperlichen Vorteile dann durch.
Da niemand über den Getränkekonsum Buch führte, beschloss man, die Rechnung zu teilen. Somit kam ich dann für vier Glas Bier auf rund 60 Mark.
Soviel ich weiß, gibt es für die Goldwing einen Anhänger. Da könnte man nächstes Mal das Bier von zuhause mitnehmen ;-)
Dienstag, 02.10.2001
Aufbruchstimmung, allgemeine Verwirrung. Ein Teil der Gruppe will fahren, ein anderer Urlaub machen. Wir Frühheimfahrer (Helmuth, Sebastian und ich) beschließen, nicht nur bis zum Treffpunkt Megeve zu fahren, da uns der Heimweg am Mittwoch von dort zu heftig ist. Keiner denkt dabei an Rainer, der allerdings auch schon weg ist. Glücklicherweise hat der ein richtiges Motorrad und schafft die Strecke in der halben Zeit.
Bei einem Kaffee in St. Michel verabschieden wir uns von Dieter und Andrea, die gleich Richtung Süden fahren wollen. In Albertville kaufen wir Baguette, Käse und Trauben und sind froh, dass Sebastian soviel Kofferraum mitführt. Leider verabschiedet sich eben dieser Kofferraum später vom Motorrad. Nach einer Schrecksekunde ist es ein beinahe lustiger Anblick, das Topcase so auf der Strasse hüpfen zu sehen. Einige Kilometer und wenige Umwege später ist Helmuths Spiegel der Meinung, er könne das auch. Mit viel Pattex und Isolierband fesseln und knebeln wir ihn dann fest an die Diversion.
Über Chamonix geht es dann wieder nach Martigny. Langsam bekomme ich wieder ein Gefühl für mein Motorrad, leider zu spät, denn ab hier ist nur noch Dosenbahn angesagt. Wir schaffen es noch an Montreux vorbei bis nach Bulle, wo wir eine schöne Unterkunft finden und ich das beste Steak meines Lebens bekomme.
Mittwoch, 03.10.2001
Autobahn über Bern Richtung Zürich. Helmuth ist der Meinung, eine Abkürzung fahren zu wollen, was uns viel Nerven und zwei Stunden Zeit kostet. Würden die Schweizer ab und zu mal ein Hinweisschild aufstellen und weniger Brücken und Strassen sperren, hätten wir uns beides ersparen können.
In Konstanz nehmen wir die Fähre nach Meersburg. Eine Schwuchtelgruppe (teilweise Harleys) können wir (bzw. kann ich) erst auf der Schnellstraße überholen, da mich der Schlussmann mit seiner Fireblade immer wieder ausbremst. Von Ravensburg aus dann ereignislose Fahrt nach Ulm. Müde und mit wundem Hinterteil bin ich um kurz vor 18 Uhr zuhause.
Epilog
Nach etwa 1900 km durch 5 Länder und über 13 Pässe (wenn ich richtig gezählt habe) mein persönliches Fazit:
Heizgriffe sind schon was schönes!
Ich muss noch viel üben. Spätestens im Frühjahr werde ich beginnen, das eine oder andere Fahrtraining zu besuchen. Außerdem muss ich herausfinden, ob ich das richtige Motorrad besitze. Die Sevenfifty ist wie ein Muli, das alles mitmacht. Aber wer will schon gerne auf einem Muli reiten?
Ein wenig habe ich es bedauert, dass die Gruppe doch ziemlich inhomogen war. Mir macht es einfach mehr Spass, mit anderen _zusammen_ zu fahren als alleine hinterher zu gondeln. Dafür kann natürlich niemand etwas, und den etwas Schnelleren bin ich sicher auch manchmal auf den Keks gegangen.
Vor allem bin ich froh, dass niemand (nach jetzigem Wissensstand) gestürzt und zu Schaden gekommen ist. Für mich ist dies das Wichtigste, und deshalb hat die Tour auch trotz persönlicher Schwächen großen Spass gemacht.
Gruß Thomas
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